Schmerz

Das ist alles nur in meinem Kopf

by Gunnar on 21. April 2007 · 7 comments

Kopfschmerzen, ach Kopfschmerzen, scheinen ja irgendwie individuell zu sein. Die Liebe meines Lebens nennt ihre Variante Halskopfschmerzen, offenbar weil sie irgendwie vom Nacken her ausstrahlen. Das ist mir als Gefühl unbekannt, mein Nacken ist völlig in Ordnung.

Neulich, bei Starbucks am Nebentisch, berichtete etwas arg aufgedonnerte Frau mittleren Alters, aber offenbar ausgestattet mit lobenswertem Stilgefühl bei der Klamottenwahl, ihrer ähnlich angezogenen, aber deutlich blasseren Freundin über ihre Schmerzen in den Schläfen. Dabei machte sie so Mr. Spock-artige Bewegungen, indem sie Zeige- und Mittelfinger beider Hände an beide Schläfen legte und zu reiben begann. Sah aus, als würde sie versuchen, ihre telekinetischen Kräfte einzusetzen, um, sagen wir, den Porscheschlüssel des Armanitürken zwei Tische weiter dazu zu bringen, in die eigene Jackentasche zu schweben. Klingt spannend, ein schöner erwachsener Kopfschmerz, aber auch diese Variante, wir nennen sie mal den Schläfenschmerz, kommt bei mir nicht vor.

Ich, ich habe ganz spezielle Kopfschmerzen. Ich bekomme sie immer morgens, und es fühlt sich an, als gäbe es in meinem Kopf, so von Schädelwand zu Schädelwand, eine biegsame horizontale Platte, die nicht erschüttert werden darf, etwa durch Kopfschräghalten, weil sie sonst zornige rote Wellen des Wehtuns durch mein Hirn sendet. Vermutlich sitzt irgendwo im Schwarzwald oder im Riesengebirge ein verwachsener Gnom mit wirrem Haar und knorrigen Fingern, der mit einem stumpfen rostigen Nagel alle paar Wochen mal einen Tag lang auf eine Puppe oder ein Foto oder eine Zeichnung von mir einsticht. Vielleicht beauftragt von einem meiner Feinde. Vielleicht aber auch nur so, zum Spaß.

Mit knorrigen Gnomen ist ja nicht zu spaßen.