Servicewüste

Kabelgau

by Gunnar on 23. März 2013 · 23 comments

Herr Kaliban rauscht kurz vor Ladenschluss in einen Elektronikmarkt. Als er nach 30 Sekunden das Gesuchte nicht findet, reißt ihm der Geduldsfaden — er spricht einen Verkäufer an.

Herr Kaliban: Wo sind denn hier die verd…, äh, die HDMI-Kabel?
Verkäufer: Ah, kommen Sie mit, wir haben hier die hochwertigen Kabel von Oelbach, beste Qualität. Fangen so bei 30 Euro an.
Herr Kaliban: (zuckt zusammen)
Verkäufer: Ja?
Herr Kaliban: Nun, was können die denn so?
Verkäufer: Hier das Carb Connect hat 3D-Unterstützung, vollvergoldete Stecker und Carbon-Inlays. Vollkommen verlustfreie Übertragung, kostet nur 79,90. Preis-Leistungs-Hammer!
Herr Kaliban: Ah ja, das ist günstig. Aber ich brauche das für mein Apple TV. Da würde ich eigentlich eher nicht gerne so billige Drittanbieterware kaufen. Gibt’s da nicht was von Apple selber?
Verkäufer: (guckt Herrn Kaliban an wie ein widerliches Insekt) Uh, nun, vielleicht oben in d…
Herr Kaliban: Haha, nein, war nur Spaß. Geben Sie mir das billigste, was Sie im Haus haben.
Verkäufer: (guckt Herrn Kaliban an wie ein besonders widerliches Insekt)
Herr Kaliban: Danke, ich seh’s schon. (nimmt ein Kabel von ganz unten im Regal) Tschö.

Vollvergoldete Stecker, my ass. Ist natürlich gemein, den Verkäufer zu ärgern, aber Leute, die mir 70-Euro-Kabel aufschwatzen wollen, versenken sich instanter die ersten fünf Sympathiepunkte. Musste dann fürs allerbilligste Kabel immer noch 13 Euro hinlegen, auch noch knapp das Doppelte von dem, was ich zahlen wollte.

Dass es so enden musste…

by Gunnar on 5. Januar 2010 · 23 comments

Eine kurze Ereiferung, in welcher der Autor in eindringlicher Weise beschreibt, wie traumatisch es für ihn war, seinen Account bei Xbox Live zu kündigen.

xbox_live_originalDie Xbox 360 und ich, wir stehen grundsätzlich auf gutem Fuß. Ich verwende sie dieser Tage als primäre Spieleplattform und gucke sogar DVDs mit ihr, seit mein DVD-Player in den Siebten Kreis der Maschinenhölle hinabgestiegen ist, diese spezielle Hölle für Geräte, die kurz nach der Garantiezeit kaputtgehen. Und das großartige Xbox Live nutze ich gefühlt seit Anbeginn aller Zeit. Mit Abo und automatischer Abbuchung. Nun aber, in der Besinnlichkeit des Jahreswechsels, fiel mir in der Rückschau ein, dass ich 2009 eigentlich gar nicht mehr auf Xbox Live Multiplayer betrieben habe. Und auch sonst keine der Funktionen in Anspruch genommen habe, welche die kostenlose “Silber”-Variante von der elitären “Gold”-Version unterscheiden.

Naja, dachte ich mir, da kann ich ja einfach mal 60 Euro sparen und den kostenpflichtigen Account kündigen oder herabstufen oder sowas. Die entsprechende Funktion suchte ich, der schlichten Logik des Konsumenten folgend, innerhalb von Xbox Live, in den Einstellungen für meine Mitgliedschaft. Dort z.B., wo man auch das Gegenteil tun kann, nämlich das Abo verlängern. Wie dumm von mir. Das wäre ja zu einfach. Natürlich kann man einen so folgenschweren Schritt ausschließlich vermittels eines Anrufs bei der Hotline durchführen. Da meine Erfahrungen mit Hotlines im Allgemeinen nicht so sind, dass ich mich dieser Tortur freiwillig aussetzen möchte (und andere Leute speziell mit der Microsoft-Hotline so ihre Erlebnisse hatten), suchte ich nach einer alternativen Möglichkeit.

Microsoft selber gibt auf xbox.com den Link www.xbox.com/live/accounts an, hinter dem sich angeblich Informationen verbergen sollen. Der führt aber erstmal zur Login-Schranke. (Anmerkung: Ich wechsele an dieser Stelle meiner Erzählung aus dramaturgischen Gründen aus dem Präteritum ins Präsens.) Grmpf. Wo sind meine Daten nochmal, die habe ich seit Jahren nicht benutzt? Ah, hier, eingegeben, weiter. Nun bin ich auf meiner “Kontozusammenfassung”. kontozusammenfassungNichts Spektakuläres hier zu sehen. Ich nutze mal besser die Site-Suche. Keine brauchbaren Informationen. Gar keine. Wie kann das sein*? Ich gehe zurück zum Konto und mit der bewährten Sherlock Holmes-Methode (“Wenn man alles Unmögliche ausschließt, muss das, was übrig bleibt, und sei es auch noch so unwahrscheinlich, die Wahrheit sein”) schaffe ich es, herauszufinden, dass sich das Gesuchte unter dem Tarnnamen “Mitgliedschaftsstufe” verbergen muss. Aha. Doch auch hier kann ich eigentlich nur wählen, ob ich meine Gold-Mitgliedschaft monatlich, jährlich oder quartalsweise zahlen möchte. Nichts zu sehen von Kündigung, Downgrade oder… halt!… wenn man genau hinschaut, sieht man, dass in der Zeile “Automatische Verlängerung: EIN” das Wort “EIN” verlinkt ist. Das muss es sein.

Ich zittere ein wenig vor Aufregung, als ich klicke. Es folgt ein kleiner Text der Machart “Wir opfern morgen Satan vier Kätzchen, weil Sie uns mit dieser Kündigung dazu gezwungen haben” und ein paar Reihen Bildchen mit Xbox Live-Werbung. Ist es getan? Ich klicke sicherheitshalber ein bisschen herum. Hm. Wenn ich zurück in die “Zusammenfassung” gehe, wird mir immer noch “Automatische Verlängerung: EIN” angezeigt. Ich wiederhole den Vorgang. Und nochmal. Nichts. Das “EIN” ist immun. Ich laufe ein wenig im Kreis, schreie ein bisschen vom Balkon in den Innenhof, nehme zwei Herztabletten. Dann probiere ich es nochmal. Diesmal fällt mir auf, dass sich unter der Werbung, rechts, am Ende der Seite, ein kleiner, blasser, durch nichts hervorgehobener Button an den Rand duckt. “Weiter” steht darauf. Ah, ich war noch nicht fertig mit dem Ausschalten der Verlängerung. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Auf Seite 4 schließlich entlässt mich der gnadenlose Microsoft-Vertrieb aus seinen Klauen und bestätigt, dass meine “Gold”-Mitgliedschaft enden wird, nicht jetzt, aber in wenigen Monaten, wenn mein im Voraus gezahltes Geld aufgebraucht ist.

Kann ich auch sofort aufhören, den Service zu nutzen und mein Geld zurückbekommen? Wie, sagen wir, bei einem Zeitschriftenabo?

Das HTML schweigt.

Im Nachgang schickt mir Microsoft dann noch eine surreale Mail, in einer Sprache, die so ähnlich wie Deutsch klingt:

Sehr geehrte(r) Herr Kaliban, Ihr Abonnement für Xbox Live 12-monatige Gold-Mitgliedschaft läuft am Donnerstag, 8. April 2010 ab. Um eine mögliche Unterbrechung Ihres Abonnementdiensts zu vermeiden, erneuern Sie bitte Ihr Abonnement bis zum Donnerstag, 8. April 2010. Um eure Xbox LIVE-Mitgliedschaft zu verlängern, stattet ihr der Webseite www.xbox.com/extendmembership einen Besuch ab und folgt den Anweisungen. […]
Falls Sie Ihr Abonnement bereits verlängert haben, möchten wir uns hierfür bei Ihnen bedanken.
Vielen Dank, dass Sie sich für Microsoft Online Services entschieden haben.
Xbox LIVE-Team

Huh? Habe ich mich nicht eben mit voller Absicht GEGEN die Verlängerung dieses Services entschieden? Und was denn nun, “Du” oder “Sie”? Der verwirrte Verfasser vermutet offenbar, ich hätte meine Mitgliedschaft wohl versehentlich gekündigt. Logisch eigentlich, Microsoft kann ja, bei all den Steinen, die sie einem in den Weg legen, nicht annehmen, es sei mir gelungen, absichtlich zu kündigen. *Seufz*

Liebe Damen und Herren aus Redmond und Unterschleißheim, so wird nichts mit der Weltherrschaft. Wer will, dass der Kunde ihn achtet und auf Meinungsäußerungen qua länglicher, von negativen Schwingungen durchzogener Blogeinträge verzichtet, der muss auf seine Systemchen ein klitzekleines bisschen Liebetm draufstreuen. Anders geht das nicht mehr, heutzutage, in der facebookisierten Weitertratschgesellschaft.

* Ist ja klar, Microsoft verwendet in der eigenen Sprache das Wort “Kündigung” nicht, sondern spricht immer nur von der “Nichtverlängerung der Mitgliedschaft”. Da kann die Suche ja nichts finden.

Herr Kaliban gegen das Möbelhaus

by Gunnar on 24. September 2009 · 20 comments

Ich habe neulich meine Kontoverbindung gewechselt, immer noch eines der großen Abenteuer des modernen Lebens. Von den gut 30 Firmen, die über Einzugsermächtigungen Zugriff auf mein Konto haben, vergaß ich zwei zu benachrichtigen, weil ich von ihnen nur selten Rechnungen bekomme.

Firma 1, ein Hamburger Verlag, versuchte, die Abogebühr für ein Nachrichtenmagazin einzuziehen, scheiterte, weil das betreffende Konto aufgelöst ist und schrieb mir diesbezüglich einen freundlichen Brief, in welchem um meine neue Kontoverbindung gebeten wurde. Man bedaure, aber man müsse mir wegen der entstandenen Kosten leider 3,50 Euro Gebühr berechnen.

Firma 2, ein, uh, skandinavisches Möbelhaus mit vier Buchstaben, versuchte, die Bezahlung für einen Kleineinkauf einzuziehen, scheiterte, weil das betreffende Konto aufgelöst ist und schrieb mir diesbezüglich einen freundlichen Brief, in welchem um meine neue Kontoverbindung gebeten wurde. Man bedaure, aber man müsse mir wegen der entstandenen Kosten leider 35,- Euro Gebühr berechnen.

Äh, WTF? Einmal kostet das 3,50, einmal 35 Euro? Spinn’ ich?

Ich neige nun gegenüber Firmen und Behörden, die mich verscheißern wollen, zum Jähzorn und entwickle in solchen Fällen einen brennenden Ehrgeiz. Ich schrieb dann folgenden Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich fordere Sie auf, mir kurz und formlos zu erklären, warum mein am 15.7.2009 um 20:13 an die Faxnummer xxxxxxxx versandtes Schreiben, das meine neuen Kontodaten und die Bitte um Aktualisierung enthielt, offenkundig nicht bearbeitet wurde, sodass es zu dem unnötigen Versuch einer Abbuchung von meinem erloschenen Konto kam.

Unabhängig von der Klärung der eingangs gestellten Frage bezüglich meines Faxes, weise ich Sie in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Sie laut Entscheid vom LG Dortmund, 25.5.07, AZ 8 O 55/06 keine pauschalisierten Personalkosten berechnen, sondern nur real entstandene Kosten weiter geben dürfen. Ich setze Ihnen hiermit eine Frist bis zum 31.8.2009, um entweder die Ihnen entstandenen Kosten zu dokumentieren oder die Gebühr neu festzusetzen.

Der guten Ordnung halber möchte ich zuletzt noch anmerken, dass mich Ihr Schreiben am 12.8.2009 erreicht hat, Sie aber eine Antwortfrist bis zum 15.8 setzen — abzüglich des zu kalkulierenden Postlaufs für die Antwort und angesichts der Tatsache, dass Arbeitnehmer gemeinhin erst abends Gelegenheit haben, ihre Briefpost zu kontrollieren, ist das eine Frist von zwei Werktagen. Das ist nach aktueller Rechtssprechung nicht illegal, aber deutlich unangemessen. Ich empfehle Ihnen, im Sinne der Kundenfreundlichkeit und des Images der Firma xxxx, in deren Auftrag Sie handeln, Ihre Politik in dieser Sache zu überdenken.

Mit freundlichem Gruße,

Gunnar L., Journalist

Das erste, das mit dem Fax, das war natürlich ein Bluff — aber hey, sollen die Spacken doch ruhig mal bei sich suchen. Das zitierte Gerichtsurteil ist aber korrekt, die übliche Politik, bei fehlgeschlagenen Lastschriften Fantasiegebühren anzusetzen, dürfte vor Gericht keinen Bestand haben. Außerdem enthält das Schreiben die üblichen Sachen, um Firmen zu ärgern — eine Fristsetzung, eine Aufforderung zur Dokumentation von entstandenen Kosten sowie das drohende Wort “Journalist” neben der Signatur. So.

Innerhalb der Frist kam die Antwort, dass man auf die komplette Forderung verzichte, weil ich ein “guter und langjähriger Kunde” sei.

Aha.

Keine Oase in der Servicesahara

by Gunnar on 17. Juni 2009 · 15 comments

Ich hatte diesen Zahnarzt (nennen wir ihn Nr. 1), der war ganz nett. Aber zu allen komplizierteren Sachen hat er mich überwiesen, nicht an einen Spezialisten, sondern an einen anderen Zahnarzt. Das kam mir spanisch vor. Als ich für eine, uh, interessantere Herausforderung einen Behandlungsplan wollte, hat er mir den versprochen, mich dann aber immer wieder vertröstet. Da mich Dienstleister irritieren, die mein Geld nicht wollen, habe ich den Zahnarzt daraufhin gewechselt.

Nr. 2 war ein ganz anderes Kaliber — klar, Herr Lott, sicher Herr Lott, zackzack, Herr Lott, das kriegen wir hin Herr Lott, hier (wusch!) ist der Behandlungsplan. Was hat Ihnen der andere Arzt gesagt, ach das ist Unsinn, der Fall liegt ganz anders. Klang super. Doch als dann die Behandlung losgehen sollte, war er telefonisch nicht mehr zu erreichen.

Zwei Wochen später meldete sich unter der Nummer eine ganz andere Zahnärztin, Nr. 3 nämlich. Die war jung und nett, erzählte mir, naja, mein Vorgänger ist in sein Heimatland zurückgegangen, ich führe jetzt die Praxis, überhaupt ist die Planung des Herrn nicht sehr gut, ich mache das so und so und so, das ist viel moderner und hier (wusch!) ist der Behandlungsplan. Puh. Okay. Alles super. Dann trat jedoch das unwesentliche Problemchen auf, dass die Krankenkasse gegen den Behandlungsplan (und die dazugehörigen Kostenaufstellungen) in Gift und Galle spuckte. Brief an die Kasse, Brief von der Kasse, Brief an die Kasse, Brief von der Kasse. Vor allem wurde der überhöhte Behandlungssatz beanstandet. Die Ärztin zog alle Register, die Kasse blieb stur. Schließlich legte mir die Dame nahe, die Behandlung doch schon mal ohne Kassenzusage zu beginnen, das machen wir in kleinen Schritten, das merken die gar nicht und notfalls können Sie immer noch gegen die Kasse klagen. An der Stelle wurde mir die Sache zu surreal und ich floh aus dem Behandlungszimmer.

Auf zu Nr. 4, einem Arzt in einer Art Zahnklinik. Der ließ mich eine halbe Stunde trotz Termin warten, wischte meine Beschwerde mit Schnickschnack, halbe Stunde geht doch noch vom Tisch, begann die Behandlung (kleine Sache nur), unterbrach sie, um sich mit den Instrumenten in meinem Mund nebenbei Gebissmodelle von einer Assistentin zur Begutachtung vorlegen zu lassen, machte weiter und schoss zuletzt den Vogel ab, indem er meine Frage, ob ich das mitgebrachte Röntgenbild dalassen solle (für weitere Behandlungen) mit den Worten nein, wir haben hier so viele, das kommt bei uns bloß weg ablehnte. Ich ging dann trotzdem noch zum nächsten Termin, wartete eine halbe Stunde ohne dass Notiz von mir genommen wurde, verlor die Lust und hakte auch Nr. 4 ab. Die Sache hatte dann noch ein klitzekleines Nachspiel, weil mir in der Rechnung absurde Sachen wie “besonders aufwändige Beratung” und ein paar andere, mit der nackten Realität unvereinbare Dinge aufgelistet wurde. Ich rief in der Praxis an und wurde von der zuständigen Dame mit dem Argument nein, nein, wenn das im System steht, müssen Sie das zahlen, dann stimmt das so abgeschmettert. Ich wandte ein, mich an die letzten dürren Fäden meiner psychischen Reststabilität klammernd, dass da ja wohl die Möglichkeit für Fehler bestünde und erklärte, dass ich die Rechnung um die falsch berechneten Punkte mindern würde. Die Dame wieder, diesmal schriller: Aber es steht im SYSTEEEM!!! Das DÜRFEEEN Sie nicht!!! Ich hängte ein. Dann versuchte ich es mit einem bösartigen Fax an den Chefarzt, drohte mit Anwalt, Angriffskrieg sowie Beschwerde bei Ärztekammer, Krankenkasse und NATO. Daraufhin erließ man mir, schuldbewusst oder entnervt, gleich die gesamte Rechnung. Naja. Immerhin.

Dann zu Nr. 5. Der wirkt ganz nett, aber ist da nicht so ein geldgieriger Zug in seinem Gesicht? Ein teuflisches Funkeln in seinem Auge? Fallen nur die Haare merkwürdig oder sind das Hörner da auf seinem Kopf?

Meine Freunde, die Kundenhasser

by Gunnar on 17. Oktober 2008 · 5 comments

Irgendwann, irgendwann mache ich mal eine Liste von all diesen Firmen, bei denen man mit ein paar Klicks und der Eingabe der Kontonummer Domains, Telefonanschlüsse, Abos und Sklaven kaufen kann, die bei kundenseitiger Kündigung aber auf einem speziellen, mit goldener Tinte unterschriebenen Formular bestehen, das zudem an einem ungeraden Tag per reitendem Boten an die Zweigstelle in Singapur zugestellt werden muss.

Und dann kaufe ich Bombenzutaten beim Amokkillerspieler-Versandhandel und sprenge die ganzen Firmensitze in alphabetischer Reihenfolge in die Luft, nur so aus Prinzip.

Dieser Schalter in meinem Hirn

by Gunnar on 10. Februar 2008 · 24 comments

rage!

Früher, als 18jähriger, wachte ich immer mit einem erigierten Mittelfinger auf, sagte der immer noch zornige Henry Rollins irgendwann mal.

Ich habe generell ein ähnliches Problem — schon Kleinigkeiten REGEN MICH AUF. Neulich musste mich die Liebe meines Lebens mit einem geübten Bodycheck niederringen, um zu verhindern, dass ich diesen rotznasigen Jüngling hinter der Infotheke eines schwedischen Möbelhauses hervorzerre und mit dem Kopf rhythmisch gegen das Sideboard Malm schlage, bevor ich ihm mit den Splittern des Bierglases Mjöd beide Ohren abschneide. Was mir möglicherweise ein lebenslanges Hausverbot eingebracht hätte. Ich hatte den Laden bereits mit pochender Halsschlagader betreten, weil wir ohnehin nur vor Ort waren, um nach einer Fehlberatung beim vorangegangenen Besuch irgendein Zubehörteil nachzukaufen. Dann unterbrach mich der Infotheken-Typ bereits nach dem ersten Halbsatz meiner Nachfrage, um sich für nicht zuständig zu erklären. Und da rastete dieser Schalter in meinem Hirn ein, der dieses bestimmte Programm aktiviert, dieses urzeitliche, das seinerzeit meine Vorfahren dazu befähigt hat, mit nichts als einem Steinspitzenspeer in den haarigen Händen Säbelzahntiger anzugreifen. Ich hingegen, Produkt von 500.000 Jahren Evolution, verschwende all das schöne Adrenalin im letztendlich relativ sinnlosen Verbellen von Repräsentanten der deutschen Servicewüste, missliebigen Vorgesetzten und gegnerischen Autofahrern. Schlimm. Ich werde noch als verbitterter alter Mann enden, der morgens mit Klemmbrett und Stift durch Ost-Haidhausen streift, um Falschparker aufzuschreiben.

Wenn es dann noch falschparkende Autos gibt, später, in den dunklen Jahren meiner Rentnerzeit, wo die fossilen Ressourcen endgültig zu Neige gegangen sind.

Aber ich schweife ab, ich versuche hier über meine Aggressionen zu sprechen, dieses mein Blog ist ja quasi meine persönliche Urschreitherapie. Wo wir gerade beim Schreien sind, schreien könnte ich übrigens die ganze Zeit, während ich dies schreibe, weil die Liebe meines Lebens nebenbei das Das perfekte Promi-Dinner anschaut. Ich gucke zwar nicht hin, höre aber die gewollt lockeren Dialoge von den widerlich arroganten Klasse-C-Schauspielern, die mir Hirnbluten verursachen, insbesondere die Absonderungen der offenbar steindummen, sich aber sehr hipcoollässigindie vorkommenden Verbotene Liebe-Darstellerin Claudia Hiersche, deren Namen ich nur deswegen hier gefettet vollständig hinschreibe, weil ich hoffe, dass sie, wie alle eitlen Menschen, sich regelmäßig selber googelt, diesen Text findet und sich wenigstens ein kleines bisschen ärgert.

Und zwischendurch kommt auch noch Werbung, in der eine berechnende Jungmutter ihrer hungrigen Kleinfamilie voller Stolz panierten Fabrikfraß ungewisser Herkunft anbietet, was die entmenschte Bande dazu treibt, sich noch die Finger abzulecken, vermutlich unwissend, dass sie mit dem soeben verzehrten Zeug einen ordentlichen Schritt in Richtung Fettsucht getan und nebenbei ihr Darmkrebsrisiko um den Faktor 2.7 erhöht hat. Und dann schaut die Jungmutter auch noch triumphierend in die Kamera, als verachte sie alle Küchenzeilenbesitzer, die ihren Angehörigen noch echte Nahrung zubereiten, was natürlich ein bisschen mehr Aufwand wäre als einfach ein paar abgepackte Portionen Essplastik in die Mikrowelle zu feuern und besagten Küchenzeilenbesitzern kostbare Fernsehguckzeit blockiert. Weiß gar nicht, was mich dabei mehr aufregt: die Frauenrolle, die Tonalität, die Stumpfheit der Botschaft oder der Fraß an sich. Es ging übrigens um einen Spot der Firma Alpenhain für ihre, uh, Back-Käse-Mahlzeiten (darunter die ekelhaft aussehenden Gourmet Frischkäse Amigos), die ich hier nur deswegen so akkurat und ordentlich gefettet erwähne, weil ich hoffe, dass das Marketing der Firma Alpenhain regelmäßig die eigenen Produkte googelt, diesen Text findet und sich schmerzlich und dramatisch falsch verstanden fühlt in seiner sorgfältig an Fokusgruppen perfektionierten Werbebotschaft.

Argh. Mein Blutdruck. Ich muss ruhiger werden. Aber wie? Die Welt ist voller schlimmer Missstände, ästhetischer Verbrechen, achtloser Menschen. Wenn ich das schon nicht ändern kann, muss ich mich wenigstens beklagen. Eingedenk der Warnung von Lars aus den Kommentaren möchte ich hinzufügen, dass ich bei Kindern und Tieren engelsgeduldig bin. Ich habe auch nicht diesen Ich-brauche-mein-Prozac-Ärger oder diesen Ich-bringe-euch-alle-um-Ärger, sondern diesen Hier-stimmt-was-nicht-Ärger oder den Das-hätte-ich-besser-machen-können-Ärger, der entsteht, wenn man an sich und andere halbwegs hohe Anforderungen stellt. Der macht das Leben nicht leichter, ist aber im Grunde keine schlechte Sache. Nur wer sich bewegt, fällt nicht um.

Service, wüster

by Gunnar on 6. November 2007 · 17 comments

Ein echter Dialog, so passiert:

*Ring*
Arzthelferin: Praxis Dr. X. Guten Tag.
Ich: Tag. Bin Patient bei Ihnen. Folgendes Problem: [gebe ausführliche Problemschilderung]
Arzthelferin: [schweigt]
Ich: Sind Sie noch da?
Arzthelferin: Ja.
Ich: Und?
Arzthelferin: Ja, also, die Frau Doktor in einer Besprechung. Und die, die normalerweise hier sitzt, die kommt morgen wieder. Ich bin heute allein.
Ich: Schlagen Sie mir gerade vor, ich solle auflegen und morgen noch einmal anrufen?
Arzthelferin: Ja.
Ich: Warum schreiben Sie nicht einfach auf, was ich gerade gesagt habe und geben der Frau Doktor den Zettel?
Arzthelferin: Das ginge auch. [Holt was zu schreiben]. Was sagten Sie also?
Ich: [wiederhole Problemschilderung]

Wenn man keine Notizen aufnehmen will, soll man doch erst gar nicht ans Telefon gehen, meine ich. Naja, ist nicht schlimm, war ja bloß eine arme Aushilfsarzthelferin, die Angst hatte, einen Fehler zu machen. Nichtsdestotrotz: Es passiert mir nicht allzu selten, dass ich auf unbegreifliche Frechheiten bei Firmen stoße, die sich theoretisch der Dienstleistung verschrieben haben, in den letzten Jahren etwa bei der ARAG Krankenversicherung, der HypoVereinsbank, der Telekom, Arcor und, manchmal wache ich nachts schreiend auf und habe den Kopf voller Mordgedanken, der teuflischen Autowerkstatt Blücher in Göttingen.

Was mich zu dem Gedanken bringt, man sollte eine Art “Schwarze Liste”-Webseite gründen, wo derlei Erlebnisse mit Firmen wahrheitsgetreu aufschreibt, zur Warnung für andere. Wäre das eine brauchbare Idee? Würde jemand von der geschätzten Leserschaft mitmachen?