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Chris Stöcker: Nerd Attack!

by Gunnar on 31. August 2011 · 9 comments

Herr Kaliban hat ein Buch verschlungen und muss der Welt das jetzt mitteilen.

Christian Stöcker ist Doktor der Psychologie, gebürtiger Würzburger und hat ein Buch über Second Life geschrieben — ist also gar nicht wie ich. Andererseits ist er doch ganz schön wie ich: Gamer, Journalist, Nerd, Vater, Twitterer, Großstadtbewohner. Wenigstens bloggt er nicht, sonst wäre das Profil ein bisschen arg typisch. Die Tatsache, dass er seinen Beruf nicht etwa in einer Spielezeitschrift ausübt, sondern beim ungleich relevanteren Medium Spiegel Online, macht ihn natürlich zu einem medialen Schwergewicht und war schon in der einen oder anderen Debatte sehr hilfreich, weil er kluge Abhandlungen zu kontroversen Themen geschrieben hat, etwa zu der Farce um den Deutschen Computerspielpreis, zur Computerspielsucht, zu Streetview, zum Netz an sich und viele andere. In einem seiner meistverlinkten Artikel prägte er den Begriff Generation C-64 für die mit Commodores Heimcomputer aufgewachsenen netzaffinen Unter-40jährigen, eine Wortschöpfung, in der sich viele von uns angenehm warm und weich aufgehoben fühlen.

Diese Generation ist auch das Thema seines Buches: Chris erzählt, detailiert und unaufgeregt, am Beispiel seiner eigenen Biografie unsere Geschichte. Von der Faszination des C-64, die uns alle zu Gamern und Raubkopierern machte, über die Prägung durch das frühe, zunächst nur über Uni-Rechner erreichbare, Internet bis hin zu den Themen dieser Tage, Netzneutralität, Wikileaks, Privacy et cetera. Er streift das Phänomen der Cracker-Groups, die Anfänge des CCC, die erste Internet-Blase, den Kampf der EFF, den Aufruhr um Napster und beschreibt sowohl Ereignisse als auch Debatten akribisch, ohne in den journalistenüblichen Kulturpessimismus oder Lobo-eske Technikgläubigkeit zu verfallen. Wobei er natürlich schon, wie die meisten Menschen mit seiner Historie, die Zukunft hauptsächlich als Chance begriffen sehen möchte. Er zieht grundlegende Linien ein, um vom C-64 her die Entstehung der aktuellen Landkarte unserer digitalen Welt zu erklären – und steckt dabei en passant den kulturellen Bezugsrahmen für meine Generation ab.

Selten habe ich mich beim Lesen eines Buchs so verstanden gefühlt.

Es dürfte aber auch für jeden anderen ein lesenwertes Buch sein: Es ist informativ, aber nicht trocken; beschreibend, aber nicht analysefrei; Stellung beziehend, aber nicht verbohrt. Wenn alle Menschen außerhalb unserer Nerd-Kreise das lesen würden, verstünde man uns besser.

Ich jedenfalls hab’s schon mal meinen Eltern geschenkt, mal sehen, was daraus wird.

Das Werk heißt mit komplettem Namen Nerd Attack!: Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook – Ein SPIEGEL-Buch, bei Amazon kostet’s 14,99 (gedruckt) oder 11,99 (Kindle-E-Book). Und ja, ich möchte diesen Link als Kaufbefehl verstanden wissen.

Update: Das ist mal eine hübsche Art, dieses Buch zu besprechen.

Der Tag der Mainstreampresse

by Gunnar on 23. Februar 2009 · 11 comments

Erstaunlich: Es ist ein ganz normaler Montag, nicht E3 oder Games Convention oder Tag des Videospiels, und doch erscheinen gleich auf zwei Mainstream-Portalen Artikel zum Thema Videogames.

Erst nimmt Chris bei SpOn den Jubelpatriotismus und die mangelnde Originalität von Killzone 2 ins Visier:

Der Shooter “Killzone 2″ zeigt das erneut: Er ist technisch brillant – und in etwa so smart wie ein “Landser”-Heftchen aus den Fünfzigern. […] Kaiser Wilhelm II. hätte “GTA” nicht verstanden. Dagegen hätte er an “Resistance 2″, “Gears of War 2″ und “Killzone 2″ vermutlich seine helle Freude gehabt.

Das ist ja noch nicht so überraschend. SpOn macht sowas schon mal.

Dann aber regt sich Thomas bei Welt.de über die fortschreitende Mainstreamisierung der Videospiele auf:

Es gibt niemanden, der die Genregesetze radikal bricht, keinen Karl Valentin und keine Nina Hagen des Games. […] Das Videospiel ist erwachsen geworden, hört man oft – das heißt aber auch: Es hat seine Unschuld verloren und noch keine Gelassenheit gefunden.

Und das ist nun schon ein bisschen überraschend — sich in einem Mainstream-Medium zu beklagen, dass sich Games (die, zieht man die ganze DS/Wii-Sportbewegung ab, noch lange nicht irgendswo angekommen sind und schon gar nicht in der Mitte der Gesellschaft) zu sehr dem Mainstream ergeben.

Blog-Journalismus

by Gunnar on 8. Januar 2009 · 5 comments

Mighty SpOn, Mutter und Vorbild des deutschen Online-Journalismus, klagt in einem Text vom 23.12.2008 (der mir erst heute aufgefallen ist) über die Komplexität von Kinderwagen. Ganz zurecht, weil die meisten Modelle, die ich kenne, in der Tat nervig zusammenzuklappen sind. Dazu zitiert der Autor ausführlich aus einem Test der Stiftung Warentest von 2006 und einem zwei Monate alten Bericht des Schweizer Magazins K-Tipp, ergänzt um die Aussagen von zwei Kollegen aus dem eigenen Verlag. Illustriert wird das alles mit Fotos und Screenshots von den Herstellerwebseiten.

Wenn man genau hinschaut, ist die einzige eigene Rechercheleistung im Text die Aussagen von Kinderwagen-Herstellern dagegen zu stellen, die man offenbar mit dem Test von K-Tipp konfrontiert hat — was die Herren, zugegeben, ganz hübsch zu entlarvt.

Aber hey: keine eigenen Bilder, keine eigenen Tests (nicht mal eine Umfrage), kaum eigene Erfahrungen, die ganze Artikelgrundlage setzt auf der Arbeit anderer Medien auf. Offenbar hat sich der Kollege nicht mal selber in ein Kaufhaus bemüht, um die angenommene Misere in Augenschein zu nehmen. Ist das nicht genau das, was die etablierten Medien immer den Bloggern vorwerfen? Das sie nur kommentieren, montieren und ohne die Recherche der großen Redaktionen gar keine Themen haben? Ist das nicht das Hauptargument gegen die These, Blogs seien der neue Journalismus?

Naja, geschenkt. Artikel wie den kann man mal machen, wenn man wenig Zeit hat. Womit SpOn sich als seriöses Medium disqualifiziert, ist eher sowas.

Sonntagslinks

by Gunnar on 19. Oktober 2008 · 5 comments

### [EIGENWERBUNG] Ich habe seit kurzem nicht nur ein angeberisches Blog, sondern auch noch eine selbstbeweihräuchernde Homepage, zu finden unter gunnarlott.com [/EIGENWERBUNG] ###

### Chris von SpOn räumt mit der Buchmessen-Hysterie auf, beim Buchhandel stünde die Digitalisierung vor der Tür. ###

### Noch relativ neu: der Blogmonitor. Offenbar brauchen wir noch mehr Seiten, die die heiße Luft der Blogosphäre filtern. ###

### Seltsame Blüten treibt das Internet: Man Babies (das alte Kopftausch-Spiel). ###

### Kreative Werbung: eine Auswahl schöner Versuche, LKWs zu Werbeträgern zu machen. ###

Sonntagslinksammlung

by Gunnar on 21. September 2008 · 6 comments

Schnell, schnell, klick, klick.

Videojournalismus für Anfänger (eine Kritik an SpON)

Hat der CERN-Teilchenbeschleuniger die Welt schon zerstört?

Wählt die Violetten (für spirituelle Politik)!

Heribert Prantl: Kein Kölsch für die Mafia