Textchen

Die Fenster im Turm

by Gunnar on 14. Mai 2012 · 1 comment

Abends, wenn die Schatten fallen und das Geschrei der Harpyien über der Ebene verstummt, steigt Herr Kaliban die enge Treppe zum Turmzimmer hinauf. Die Treppe, über 300 Jahre alt und zu ihrer Zeit ein technisches Wunder aus versteinertem schwarzem Holz, knarzt nicht unter seinen schweren Stiefeln, was ihn immer wieder erstaunt.

Im Turmzimmer nimmt Kaliban blind eine Kerze von der Kommode zur Rechten und entzündet sie mit seinem Atem. Der flackernde Schein erhellt ein Oktagon mit steinernem Boden, vier Fenster, in dunklen Farben mit arkanen Motiven bemalt, halten das Sonnenlicht zurück.

In der Mitte des Raums steht ein schwarzer Altar, ein gestaltloser Block, der sich nun, vom Kerzenlicht aus der Dunkelheit geschält, als eine Verschmelzung von Dutzenden Videospielkonsolen aus H1-Dimension entpuppt. (Die H1-Dimension ist jene, in der Hitler von den Alliierten besiegt wurde.) Auf dem Altar liegt eine staubige Starcraft-Packung, das 1998er Original. Ein dünner Funkenstrahl verbindet sie mit der Lücke im Wandregal, wo ihr eigentlicher Platz ist.

Kaliban geht zum Altar, nach seiner Gewohnheit die Ritzen zwischen den Steinplatten nicht berührend. Er nimmt die Packung und…

… hält sie vor das Fenster mit dem Starcraft-Motiv. Das Fenster beginnt zu strahlen.

Zurück in die reale Welt:

Auch ein Kirchenfenster gefällig? Bei Etsy gibt’s Klebefolien dafür.

Das mutige Blau

by Gunnar on 27. April 2012 · 13 comments

Das Goldkindtm verlangt vom Herrn Kaliban allabentlich drei Geschichten: eine vorgelesene, eine frei erzählte und einen kurzen Nachklapp, ebenfalls improvisiert. Eine der wenigen wiederkehrenden Figuren bei der Erzählerei ist der “Zauberer mit den blauen Füßen”; eine seiner Geschichten soll hier mal dokumentiert werden.

Wir machen uns wieder ganz klein, ganz klein, bis wir ganz leicht sind. Jetzt wachsen uns unsichtbare Flügel, starke Flügel, die uns bei ersten Gedanken in die Luft tragen. Und nun fliegen wir los, durch die Wand, über die Stadt, dem Sonnenuntergang entgegen. Bis zum runden, grünen Hügel, auf dem der Turm des Zauberers steht.

Welcher Zauberer ist es? Richtig, der Zauberer mit den blauen Füßen. Wir sehen Licht in der obersten Stube, wir schweben durch das geschlossene Fenster und sehen folgende Szene:

Der Zauberer steht vor einer Leinwand auf einer Staffelei, er will ein Bild malen. Noch ist die Leinwand leer, doch neben dem Zauberer, auf einem Tischchen, liegen Dutzende Pinsel. Alle Pinsel sind aus dunklem Holz, haben helle Borsten und in der Mitte einen farbigen Punkt. Der Zauberer nimmt einen, den hellgrauen, soweit wir sehen können, und setzt ihn auf der Leinwand an. Der Pinsel zieht eine Linie, dabei hat der Zauberer ihn nicht in Farbe getaucht. Es ist ein Zauberpinsel! Zauberpinsel malen ohne Farbe und müssen nicht gereinigt werden.

Der Zauber malt ein paar Linien mit Grau und Schwarz, dann beginnt er unten eine Fläche in Grün auszumalen. Dann hält er inne, legt die Pinsel zurück und geht aus dem Zimmer. Die Pinsel auf dem Tischchen liegen still, bis er draußen ist. Dann rollen sie hin und her und fangen an zu tuscheln. Zauberpinsel können nämlich auch sprechen!

“Puh”, sagt Grau, “der kann’s ja nicht besonders.”
“Schon die ersten Linien sind schief”, fügt Schwarz hinzu.
“Daß wird doch nichtß”, zischelt Lila, das ein bisschen lispelt.
“Der fasst mich schon ganz falsch an” ergänzt Grün.

Blau wird das alles zu viel: “Dann sagt es dem Zauberer doch, wenn ihr das Bild nicht gut findet.”
“Ihm sagen?”, “Waaas?” “Aber es ist der Zauberer!”, alle Farben reden durcheinander.

Der Zauberer kommt zurück ins Zimmer, alle Pinsel verstummen.

Er hat sich einen Tee gemacht und schlürft jetzt aus einer dunkelblau leuchtenden Zaubertasse, während er sein angefangenes Bild betrachtet.

“Ach, nicht schlecht”, sagt er vor sich hin und greift den blauen Pinsel.

Er fängt an zu malen, am oberen Rand, offenbar soll das der Himmel werden. Aber der Blauton ist für diese Stelle zu dunkel, und der Zauber malt die Fläche nicht gut aus.

“AHEM”, räuspert sich der Pinsel.

“Huh”, macht der Zauberer und hätte ihn beinahe fallen lassen. “Ich wusste gar nicht mehr, dass ihr Pinsel auch sprechen könnt” sagt er.

“Tja”, antwortet der Pinsel und zögert.

“Was ist denn? Was gibt’s zu räuspern?”, fragt der Zauberer.

“Du machst das ganz falsch”, sagt der Pinsel, “du malst nicht gut.”

“Was?”, der Zauber ärgert sich sichtlich. “Ich muss mir von meinen Pinsel nichts sagen lassen.” Darauf legt er Blau zurück und will eine andere Farbe greifen.

“Bitte, nimm mich wieder” bettelt Blau kleinlaut, “ich will auch nichts mehr sagen”.

Der Zauberer nimmt Blau, setzt an, zieht einen Strich.

“Ahh!” ruft Blau, “so doch nicht.”

“Hrmpf” macht der Zauberer. “Jetzt reicht es aber.” Wieder legt er Blau hin.

“Oh, bitte bitte, nimm mich wieder” bettelt Blau erneut, “ich will auch nichts mehr sagen. Wirklich nicht.”

Der Zauberer nimmt Blau, setzt an, zieht einen Strich.

“Ahh!” ruft Blau, “so doch nicht.”

Der Zauberer hält inne und macht ein böses Gesicht. Er lehnt den Pinsel an die Leinwand und sagt: “Nun gut, wenn du meinst, es besser zu können als ich, dann mal das Bild doch selber.”

Er breitet die Arme aus, seine Augen beginnen grün zu leuchten, im Zimmer wird es duster. Er spricht einen Zauber:

Abro Kadabro Eselsteine
Der Pinsel hat jetzt… Beine

Abro Kadabro Mehlalarme
Der Pinsel hat jetzt… Arme

Der Pinsel beginnt zu zucken und zu zittern. Plötzlich wachsen ihm grüne Froscharme und Froschbeine. Mit denen krabbelt er die Leinwand hoch und begann, mit seinem Borstenkopf zu malen.

Der Zauberer schaut ihm zu, erst mit böser Miene, dann freundlicher. “Ganz und gar nicht schlecht, wie der Pinsel malt”, denkt er bei sich.

Er spricht einen weiteren Zauber:

Abro Kadabro Eselsteine
Alle Pinsel ha’m jetzt… Beine

Abro Kadabro Mehlalarme
Alle Pinsel ha’m jetzt… Arme

Und dann wachsen allen Pinseln Arme und Beine. Sie kriechen los, kreuz und quer über die Leinwand, um zu malen. Nach wenigen Minuten ist eine wunderschöne Flusslandschaft entstanden, mit Wiesen und blauem Himmel und Bergen im Hintergrund.

Der Zauberer schaut zu.

Plötzlich klatscht er in die Hände.

Abro Kadabro Meinkaufsliste
Alle Pinsel… in die Kiste

Da fliegen alle Pinsel in eine kleine flache Kiste am Ende des Raums. Die Kiste klappt zu.

“Ach”, sagt der Zauberer, “jetzt habe ich zwar ein schönes Bild, aber ich wollte doch selber malen, nicht bloß zugucken. Selbst wenn ich es nicht so gut kann wie die Pinsel. So macht mir das keinen Spaß.”

Und er geht aus dem Zimmer. Sobald er draußen ist, geht das Licht aus. Alles ist dunkel und still, nur in der Kiste hören man leise die Pinsel reden.

Wir wenden uns ab, schlagen mit den Flügeln und fliegen durch die Wand. Wir haben den Sonnenuntergang im Rücken, es geht über die Stadt bis zu unserem Haus. Wir schweben durch die Wand und landen sanft im Bett. Die Flügel schrumpfen und verschwinden, wir dehnen uns, bis wir wieder so groß sind wie vorher.

Jetzt sind wir müde vom Fliegen, ziehen die Decke bis zum Kinn, schließen die Augen und erinnern uns noch einmal kurz vor dem Schlafen an die Geschichte vom Zauberer und dem mutigen Blau.

Social Media, Piraten und die Politik

by Gunnar on 19. April 2012 · 15 comments

Irgendwie funktioniert das Social Media-Ding nicht. Oder ich mache was falsch. Obwohl ich mich wirklich bemühe, News-Webseiten zu vermeiden, habe ich gestern dennoch wieder aus drei Quellen erfahren, dass die ARD Gottschalks Show abgesetzt hat. Ich kann überhaupt nicht, ohne Wörter von Tolkien’scher Epik zu bemühen, das unendliche, direkt kosmische Desinteresse beschreiben, das mich ankommt, wenn ich die Buchstabenkombination ARD beziehungsweise den Namen Gottschalk lese.

Was treibt all die cleveren Leute, denen ich hie und da folge, dazu, sich zu Fragen der Programmplanung eines Senders zu äußern, auf dem sie allenfalls einmal die Woche den Tatort einschalten, um sich dann auf Twitter über dessen mangelnde Authentizität aufzuregen?

Es wird sich ja gerne über die Boulevardisierung von SpOn beklagt, durchaus zu recht, ich habe aufgehört, die Seite zu lesen, als ich an drei aufeinanderfolgenden Tagen ungewollt Lady Gaga-Information ausgesetzt worden bin, aber hey, wenn all die lässigen Elite-Twitterer und Edel-Facebooker es für ironische Gelassenheit halten, belanglose Boulevard-News funny-funny zu kommentieren, dann läuft da was falsch, wie zum Beispiel auch im Bau dieses Satzes, der eine merkwürdige Bandwurmigkeit angenommen hat, aber das ist ja ein ganz anderes Thema.

Ein noch ganz anderes Thema, das nichts mit dem Beginn dieses Textes zu tun hat, aber mir eben gerade einfiel, ist die Piraterie. Ich rede da von der politischen Partei, nicht etwa von Räubern auf See. Diese Doppeldeutigkeit des Begriffs Piraten nervt mich übrigens unendlich, weil ich, als alter Herr quasi ständig von Reizüberflutung bedroht, immer unangenehme Zehntelsekunden der Verwirrung auszustehen habe, wenn ich wie gestern Schlagzeilen wie “Bundeswehr darf Piraten jetzt auch an Land verfolgen” lesen muss. Ich sehe dann vor meinem geistigen Auge immer Panzer über Uni-Campusse rollen, schreiende Nerds in schwarzen T-Shirts bedrohend. Kann man den Laden nicht in PPD oder etwas ähnlich Althergebrachtes umbenennen? Über die Piraten sagen übrigens viele, die seien doof, besonders Anhänger oder Funktionsträger verstaubter Pöstchenparteien mit schlechtem Trackrekord posten in diesen Social-Media-Kanälen (oh, Social Media, wir sind doch noch beim Thema, quasi) kleine Beweise der besondere Sachunkundigkeit oder schlichten Blödheit einzelner Piraten. Dazu wäre anzumerken, und mich wundert, dass das kaum jemand mal deutlich sagt, dass das Spotten über die piratische Unbedarfheit so weit am Thema vorbeigeht wie eine Tatortfolge, die in Dresden spielt, in der aber kein Sächsisch gesprochen wird. Die Piraten sind nicht beliebt, obwohl sie unbedarft und hilflos und jung sind. Die Piraten sind beliebt WEIL sie unbedarft und hilflos und jung sind. Denn in den Augen von wenigstens 10 Prozent der potenziellen Wähler ist jung und doof immer noch besser als alt, bestechlich und abgewichst. Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Selbst wenn die Piraten plötzlich versehentlich mit dem aktuellen Personal und den aktuellen Strukturen überall in Regierungsverantwortung müssten, es fiele ihnen schwer, es noch sehr viel schlechter zu machen als, sagen wir, ein CDU-Mann, der in einem verfassungwidrigen Verfahren 5 Milliarden Steuereuros für einen Konzern ausgibt (der kurz danach drastisch an Wert verliert), und wichtige Mails und Akten zum Deal nicht mehr findet. Oder ein Grüner, der sich von einem Lobbyisten Geld leiht und als Begründung angibt, er sei in Schwierigkeiten, weil er humanitären Organisationen so viel gespendet habe. Oder ein CSU-Mann mit erschlichenem Doktortitel, über dessen größte Amtsreform sein CDU-Nachfolger mit der Formulierung “unhaltbare Zustände” spricht. Oder oder oder, die entsprechenden Beispiele für Linke, FDP und SPD mag sich jeder selber ergoogeln. Ist nicht allzu schwer. Immer gut: Parteispenden, Postenvergabe, Bauvorhaben. Die etablierten Parteien bestehen, der Eindruck drängt sich auf, aus inkompetenten Abzockern und sind den Berliner Lobbyisten hilflos ausgeliefert. Dann lieber die Piraten, mag sich mancher denken.

Oh. Das hat jetzt einen ernsten Unterton angenommen, dabei begann der Beitrag so leicht. Zum Abschluss noch ein Vorschlag für eine Social Media-Sache, die ich gerne lesen würde: Kann mal einer dieser Hacker, von denen man allenthalben hört, vielleicht sogar ein Pirat, Angela Merkels Handy hacken und aus ihren SMS einen Twitterfeed machen? Das würde mich interessieren. Mehr als Herrn Gottschalks aktueller Aufgabenschwerpunkt.

Wenn wenn wenn

by Gunnar on 25. Januar 2011 · 3 comments

Habe keine Zeit, was zu schreiben.

Wenn ich aber was schriebe, erläuterte ich all die Dinge, die von wahrhaft globalem Interesse sind.

Ich wählte Themen aus, von so unerhörter Brisanz, dass jeder darob in tiefe Nachdenklichkeit verfallen müsste.

Mein Ziel würde es sein, interdisziplinär arbeitend, komplexe Sachverhalte leicht verständlich darzustellen.

Selbstredend würde ich die weltanschaulich-politische Komponente nicht zu kurz kommen lassen; sowohl die Ungerechtigkeiten des Alltags als auch die Unzulänglichkeiten des kapitalistischen Systems fänden Erwähnung.

Jegliches, im Internet oder draußen in der Welt, anzutreffende Fehlverhalten prangerte ich so gnadenlos an, dass die betreffenden Widerlinge bestimmt ihren Hut nehmen müssten.

Mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln arbeitete ich an meinem Stil und feilte jeden Satz und jedes einzelne Wort so lange aus, bis mein Blogeintrag von jener prägnanten Prosa gekennzeichnet wäre, die mir bei anderen (Heidegger, v. Däniken, Nietzsche) so vorteilhaft aufgefallen ist.

Vielleicht würde ich auch der journalistisch-pseudoaktuellen Formen müde und versuchte mich statt dessen an klassischen Stilen; tiefer und tiefer versänke ich dann in die Qual der Wahl zwischen tausend Möglichkeiten verschiedener Erzähltechniken.

Packte mich der Ehrgeiz, böte ich auch alles auf, um mit den komplexesten Versmaßen im lyrischen Umfeld zu jonglieren.

Bestimmt. Habe aber keine Zeit.

[Alter Beitrag, bei mir selbst geklaut. Ahem.]

Bitte so werden, 2010

by Gunnar on 31. Dezember 2009 · 17 comments

Hm. Mein Jahresendtext von 2008 klingt immer noch erstaunlich aktuell. Ich passe ihn also sanft an und veröffentliche ihn einfach nochmal. Kann ja nichts dafür, dass die Welt mir meine Wünsche nicht erfüllt. Abgesehen davon wünsche ich allen Mitlesenden ein sensationelles Jahr 2010, mit Geld, Schokolade, Sex, milden Drogen, gelungenen Videospielen und allem, was so dazu gehört. Man sieht sich, denke ich.

Ich wünsche mir zuvörderst, dass 2009 2010 in großen Mengen Hirn vom Himmel fällt, unseren Wirtschaftsführern und Bankern und Politikern und Medienmanagern in die hohlen Schädel. Diese Krise von 2008 2009 hat ja eines mal wieder erwiesen — auf ziemlich vielen verantwortlichen Positionen, an Schlüsselstellen mit ausreichend Potenzial Unheil anzurichten, sitzen mittelmäßige Flachpfeifen, welche die verschärfte Form von repräsentativem Eierschaukeln, die sie Tag für Tag betreiben, schon für einen richtigen Job halten. Die ihre virtuellen Welten mit den Eckpfeilern Golf, Gadgets, Vielfliegermeilen, Telefonkonferenzen, Bonuszahlungen und Sekretärinnentitten für die richtige Welt halten. Die ihre kleinen Entscheidungen treffen wie Straßenbahnschaffner Tickets abknipsen, mit den bewährten Methoden von gestern und vorgestern und vorvorgestern. Nur dass die Entscheidungen eben zuweilen enorme Auswirkungen haben. Aber das ist ja nicht zu ahnen, wenn man keine Fantasie hat.

Ach.

Ich wünsche mir, dass Gott mir mehr Gelassenheit schenkt oder besser doch nicht — was soll ich mit Gelassenheit? Gelassenheit ist was für Menschen ohne Herz. Ich wünsche mir also stattdessen, dass Gott mir den soliden Herzmuskel, den stabilen Magen und das drahtseilige Nervenkostüm schenkt, das ich brauche, um mit meiner sensibel-cholerischen Persönlichkeitsstruktur und der Bosheit dieser Welt klarzukommen.

Und ich wünsche mir, dass einige Wörter verschwinden, darunter auch einige, die ich selber zuweilen sage, was natürlich kein gutes Licht auf meinen Willen zum Guten, Schönen und Wahren wirft, also Wörter wie wording, wellness, content, bullish (sagt jetzt eh keiner mehr), Sowieso to go, Reputations-Management und noch viele mehr, die mir gerade nicht einfallen wollen, aber wenn man sie sieht, wird man sie erkennen, da bin ich ganz sicher.

Und wo wir gerade beim Verschwinden sind, ich wäre aus rein ästhetischen Gründen froh, wenn blaue Hemden mit weißen Krägen verschwinden würden und Pop-Under/Pop-Up-Werbespamfenster und diese absurde Reklame auf den Toiletten von Autobahnraststätten und Casting-Shows und das deutsche Fernsehen ganz allgemein und Mario Barth und Bugs in PC-Spielen und Leute, die sich in Zügen die Fußnägel schneiden und Guido Westerwelle und von der Layen und, ogott, jetzt gerate ich beim Wünschen in eine Art Strudel. Aber es sollen auch noch die Zufrühknaller verschwinden, die Am-Ende-der-Rolltreppe-Stehenbleiber, die unnötig-die-Spur-wechsler, die Nichtblinker, die In-der-Stadt-mit-dem Golf-auf-85-Beschleuniger, überhaupt alle Leute, die ein Auto bewegen, ohne den festen Willen zum Miteinander aufzuweisen. Die Unfreundlichen, die Intoleranten, die Egoistischen.

Arrrrgh. Themawechsel.

Ich wünsche mir, dass 2009 2010 die SPD ein bisschen, wenigstens ein kleines bisschen, Würde zurückgewinnt. Es müssen ja keine Wahlen sein, nur ein wenig Würde.

Im Sinne vieler Kollegen wünsche ich mir, dass die Printauflagen deutscher Magazine und Tageszeitungen ein wenig langsamer zusammenbrechen als in den vergangenen Jahren, natürlich mit Ausnahme von Produkten, die eh kein Mensch braucht, wie Focus, PC Games oder Junge Freiheit. Ahem. Vor allem sollen meine Lieblingsmagazine (neben GameStar und GamePro sind das 11Freunde, Brand Eins, GEE und Effilee) das kommende und auch noch viele weitere Jahre gut überstehen.

Ein paar gute Spiele würden mir das Jahr auch erhellen, etwas Besseres aber grundsätzlich ähnliches wie Dragon Age vielleicht? Meinetwegen auch so ein Ich-führ-dich-am-Nasenring-durch-die-Welt-Dingens wie Batman Arkham Asylum, wenn’s denn hübsch gemacht und halbwegs unschmerzhaft erzählt ist. Oder ist das zu viel verlangt? Dann wenigstens weitere brauchbare mobile Spiele wie das sensationelle Scribblenauts oder The Creeps oder Canabalt. Eine gute Grundversorgung an Solo-Rollenspielen wäre mir weiterhin wichtig (sehe ich da nicht Mass Effect 2 am Horizont?), MMORPGs können mir weiterhin gestohlen bleiben.

Und Gesundheit für meine Familie und gerne auch für mich. Und Weltfrieden. Und Sonnenschein. Und sauberes Wasser, vernünftige Mitmenschen und mehr Gutes, als die schlechten Menschen ertragen können.

Und vielleicht steigt ja dann doch endlich Jesus aus seinem Sternenschiff herab, um die Gerechten zu retten. Ich wäre soweit.

Herr Kaliban auf 140 (Teil 2)

by Gunnar on 28. August 2009 · 7 comments

Nun, wie sag’ ich’s? Möglicherweise gibt es Leute, die nicht jedes Wort memorieren und in ihr Tagebuch übertragen, das ich auf all diesen “Kanälen” (so nennt man das in der Medienbranche) in die achtlose, kaltherzige Welt hinausjage. Das kränkt mich natürlich und führt zu kleinkinderhaften Trotzreaktionen. Wie dieser hier.

Also, weil mehr Leute mein Blog als meinen Twitterfeed lesen, folgt hier eine kleine Sammlung der originelleren unter den kalibanischen Twitter-Einträgen.

Erkenntnisse über die Welt:

Twitter ist oft wie eine dieser Partys, wo man auf’m Balkon steht und raucht, weil alle über Bands reden, die man nicht mag.

Millionen Männer haben es schon immer gewusst: Pinkeln unter der Dusche ist aktiver Umweltschutz! >> http://arm.in/5E7

Was ist Cellulite anderes als Gottes Antwort auf die Erfindung des sündhaften Minirocks?

Tägliches Leben:

Zu spät zur Arbeit, weil der Wecker verschlafen hat. Lag vielleicht daran, dass der Wecker diese Nacht drei Schreianfälle hatte.

Argh. Meine Frau hat irgendwie das Gamepad kaputt gemacht. Krieg! Gehe jetzt ihre 12-Euro-Lotion in die Badewanne kippen.

Uh. Meine Tochter benutzt für Kaffee, Katze und Kacke dasselbe Wort –> “Kaa-eé”. Riskant.

Wahl der Qual: Entweder ich schwitze mir den salzigen Umriss von Brandenburg ins Hemd oder ich hole mir eine Klimaanlagen-Lungenentzündung.

Leute, die mit unterdrückter Nummer anrufen, gehören erschossen. Gewinngratulierer der Lottogesellschaften vielleicht ausgenommen.

Realität und Irrsinn:

Jetzt habe ich meine Medikamente in der falschen Reihenfolge eingenommen und mir ist auf der Stirn eine zweite Nase gewachsen.

Irgendwie ist es komisch, wenn Kollegen meinen Twitter/Facebook-Feed lesen und mich drauf ansprechen. Dadurch wird das so… …so real.

Fortwährend stimmt die Realität nicht mit meinen Plänen überein.

Mein Vorrat an Realität ist aufgebraucht. Aber für den Rest dieses absurden Monats mache ich gar nicht erst ‘ne neue Packung auf.

Hinweis: Das dies hier Teil 2 ist, gab’s natürlich auch Teil 1.

Das ist eines der Hauptprobleme mit diesem dilettierenden Feierabendschreiben: Es fallen einem dauernd so unzusammenhängende Sachen ein, die schreibt man zwanghaft auf, was sich in Einzelfällen vage gut liest, aber nicht recht zu irgendwas führt. Man kommt sich ein bisschen wie ein Schriftsteller vor, denkt, huh, nicht übel, daraus könnte ich was machen, macht aber nie was draus, weil Fragmente eben nur Fragmente sind und keine Bausteine. Ach. Vielleicht sollte ich die besseren mal zu Blogeinträgen aufarbeiten, Blogs sind ja erlaubtermaßen Fragmentfriedhöfe. Oder einfacher: Ich copypaste hier mal einfach ein paar rein. Zack. Dann sind sie irgendwie veröffentlicht und nerven nicht länger in meinen Notizen. Sowas hier z.B.:

Meine Stiefel ziehen mich nach ihrem eigenen Willen, ungelenkt, durch die Schneefelder. Ich bin absent, nicht in der Gegenwart. Träume kalte Träume in hellblau, grau und weiß. Meine Stiefel folgen den Spuren anderer Stiefel, wie Pferde anderen Pferden folgen. Ein Schritt daneben und ich wäre im Nichts, würde eigene Spuren in den Schnee treten, das Land neu kartographieren.

Aha. Oder was Englisches?

German is a language so complex that it’s virtually unlearnable for foreigners. Not even the Rosetta Stone people have yet found a way to tackle the irrational way Germans use “das” and “der” and “die”. So don’t even try to learn it – Germans are well used to people using hand signs and facial expressions to ask for the way to the cathedral or the porn store.

Keine Ahnung mehr, wo ich damit hinwollte. Eine Art Mini-Ratgeber vielleicht. Oder lieber ein paar Brocken Fantasy, heute günstig im Angebot.

Der Wald der Augen war ein dunkler Ort, an den viele Länder grenzten. Dennoch hatte niemals jemand Anspruch darauf erhoben. Kein König oder Prinz war je närrisch genug gewesen, ihn seinem Königreich einverleiben zu wollen. Bis jetzt.
Ich war jung damals beim Tod meines Vaters, ein jugendlicher Regent, der sich unsterblich glaubte und die Worte seiner Ratgeber in den Wind schlug. Erfahrung, dachte ich, was ist schon Erfahrung. Intelligenz und Mut und Wille, darauf kommt es an. Nicht auf das, was die abergläubischen alten Männer erzählen, denen die Last der Jahre alle Tatkraft genommen hat. Ich schickte also Soldaten und Holzfäller, um meine Fahne aufzuziehen und des Waldes Herr zu werden. Hätte ich gewusst, was ich heute weiß, hätte ich Gift genommen.

Ich hätte auch noch ein paar längliche Romananfänge, aber die erspare ich der Öffentlichkeit. Vorerst.

Tote Arschlöcher

by Gunnar on 8. November 2007 · 16 comments

Er fährt die Grillparzer entlang, da schließt von hinten ein roter Mini auf, reiht sich links neben ihm ein. Junge blonde Frau am Steuer. Doofe Kuh, denkt er, was hat die neben mir herzufahren, die Straße ist zwar breit, aber einspurig, zweispurig wird sie erst in zehn Metern. Die Ampel kommt, beide halten, sie links neben ihm. Dann überlegt sie es sich anders, setzt zurück, stellt sich hinter ihn. Ein Opel muss deswegen ausweichen. Puh, denkt er, die Tussi weiß nichtmal, wo sie hin will. Dann springt die Ampel um, und in exakt der ersten Sekunde Grün drückt sie auf die Hupe. Lang. Der Wagen links von ihm ist auch noch nicht losgefahren, nur übermenschliche Reflexe hätten… aber egal, sie hat gehupt, bei ihm hakt etwas aus, tief drinnen, im Rückenmark, wo die dunklen Gefühle brodeln. Er fährt los, aber mit etwa zehn Km/h, aufreizend langsam, zur Strafe, soll sie doch ein bisschen was von dem Ärger zurückbekommen, den sie austeilt. Sie hupt nochmal, und zieht mit quietschenden Reifen neben ihn, zeigt ihm den Finger und gibt Gas. Er beschleunigt tückisch, und ein paar Sekunden fahren sie nebeneinander her. Dann geht er vom Pedal, sie schert lebensgefährlich vor ihm quer über die Spuren und hält am Straßenrand. Er drückt den roten Knopf neben dem Schalthebel, die Zielaufschaltung setzt ein, es folgt das Zischen der Rakete, und sie verglüht in einem Feuerball. Geschieht ihr recht.

Sie fährt die Grillparzer entlang, will rechts abbiegen. Vor ihr ein aufreizend trödelnder Einser, sie überholt, und, argh, steht auf der Geradeausspur, statt auf der zum Abbiegen — da wo sie hin muss, steht der Trödelhansel. Mist, denkt, sie, setzt zurück, sortiert sich ein. Die Ampel schaltet auf Grün und das Universum in Zeitlupe: Gezeiten kommen und gehen, Jahreszeiten wechseln, Galaxien entstehen und verglühen, und noch immer ist der Typ im Einser nicht los gefahren. Sie hupt zart. Der Einser erwacht und hoppelt los, mit etwa vier Km/h, sie hat schon dreibeinige Schildkröten schneller laufen sehen. Arschloch, denkt sie, der ist nicht nur hirnverlangsamt, sondern auch noch boshaft. Sie gibt Gas, zieht neben ihn, jetzt beschleunigt er richtig. Sie kann deswegen nicht auf die rechte Spur, wird vor der nächsten Ampel wieder falsch stehen, Mist, wegen so einem Idioten, jetzt bleibt er ein bisschen zurück, sie zieht rüber, drückt auf den roten Knopf neben der Automatik. Plock! macht es, als die Mine aus dem Depot unter dem Tank auf die Straße fällt. Der Einser verglüht in einem Feuerball. Geschieht ihm recht.

Manchmal wünscht man sich, die heutigen Autos wären besser bewaffnet. Könnte man kleinere Konflikte rasch während der Fahrt austragen. Aber naja, vermutlich haben wir auch so schon genug tote Arschlöcher im Straßenverkehr.

Frühling (eine Geschichte mit Herrn Tamm)

by Gunnar on 4. November 2007 · 4 comments

Herr Tamm ist unterwegs, in einer fremden Stadt. Der Ort liegt weiter im Süden als seine Stadt und hat den Winter bereits vollständig abgearbeitet und mit dem Frühling begonnen. Tamm ist mild euphorisiert von dem schwebenden Licht und der laubgewürzten Luft, und er erlaubt sich ein Schlendern, ein fröhliches Schlenkern, das mehr dem Verharren als dem Vorankommen dient. Sein Blick, normalerweise beim Gehen magisch auf einen Punkt hinter dem kurzfristigen Ziel gerichtet, als wollte er durch Mauern gehen, schweift umher, ohne dass Tamm kontrollieren könnte, was Hirn und Auge da protokollieren. Grün feiert Siege über Grau, Efeu erklettert Fassaden, Blattwerk verdeckt Mauern. Die Haut der Menschen leuchtet umso mehr, je weniger Textilien an ihnen zerren. Die Frauen zeigen die Ansätze ihrer Frühlingsbrüste und ihre Frühlingsbauchnabel, die Männer stellen ihre Hälse, ihre Ellenbogen, manchmal ihre Knie zur Schau.

Tamm muss sich losreißen von dem Grün der Blätter, dem Blau des Himmels, dem Rosa der Brustansätze. Doch der Rest des Weges ist kurz, er steht schon fast vor ihrem Haus. Es ist nicht ihr Haus, natürlich, das Haus ist ein Mietshaus, elf Parteien, zwei pro Stockwerk und das obligatorische reiche Ehepaar im ausgebauten Dachgeschoss. Tamm fährt mit dem Finger die glatten Flächen der Klingelschilder ab, berührt jede Schraube, bis er zu ihrem Namen kommt. Er sammelt eine Sekunde Kraft und drückt. Drinnen ertönt jetzt, Tamm weiß es, ein dezentes Glockenspiel, draußen signalisiert die Klingel nur mit einem flachen Summen, dass sie ihre Arbeit getan hat.

Tamm wartet ein paar Sekunden. Und dann noch ein paar. Niemand öffnet. Sie ist nicht da. Das überrascht Tamm nicht, er weiß, dass sie sich Mittwochs frei nimmt und mit ihrer Freundin Irina zum Geldverschwenden in die Stadt geht. Deshalb kommt er ja, wenn er mal in der Gegend ist, immer am Mittwoch. So kann er ihr ein paar Tage später erzählen, er sei bei ihr gewesen und habe sie nicht angetroffen, ja, schade, war eine kurzfristig geplante berufliche Reise, nein, er habe keine SMS schicken wollen, er wolle sie nicht nerven, nur ein Überraschungsbesuch, nichts formelles. So bleibt alles in der Schwebe. Und Tamm läuft nicht Gefahr, dass sein sorgfältig konstruiertes Bild von ihr zerspringt.

Tamm geht zum Bahnhof zurück, durch die lichte Luft und den Sonnenschein, doch er hat keinen Blick für die Menschen und keine Freude an der Wärme. Er will allein sein.

Im Feindesland

by Gunnar on 4. Oktober 2007 · 11 comments

Ach, man weiß ja wie Männer sind — modisch hilflos. Ich bin natürlich ganz anders: Im Gegensatz zu vielen Geschlechtsgenossen gehe ich, wenn ich neue Klamotten brauche, gerne allein in die einschlägigen Geschäfte. Ich halte, schon aus Gründen der Bewahrung der männlichen Restwürde und Autonomität, wenig davon, Frauen bei der Auswahl von Männersachen mitreden zu lassen, das wäre ja noch schöner, nächstens wollen sie auch noch über Auto oder Fernseher oder Stereoanlage abstimmen, und dann sitzt man mit einem Renault Twingo oder einem Satz Boxen von Bose da. Böse.

Was aber eigentlich gar nicht Thema dieses Textes ist, ich schweife nur wieder ab, wie immer, wenn ich über mich rede. Blogorrhö sozusagen. Thema ist vielmehr, dass Frauen, in diesem Fall meine Gattin, offenbar ganz gerne Männer beim Einkaufen dabei haben – als Partner fürs Geschmacks-Sparring, als Kleiderholer, als Taschenträger. Folglich verfüge ich über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz als Co-Einkäufer und verdichte das hier mal eben in ein Einzelerlebnis:

Also, da sich in Kaufhäusern und derlei von Zeit sowie technologischer Entwicklung überholten Institutionen die Abteilungen für Männer und Frauen oft auf unterschiedlichen Stockwerken befinden (wobei den Männern, sagen wir, der Keller und den Frauen die Etagen 1 bis 5 gewidmet sind), zerfällt das abgrasbare Gebiet in die Kategorien Kann man mal hingucken, wenn man nix mehr anzuziehen hat und vermintes Feindesland. Besonders nahe den Damen-Anprobierkabinen wird man ja auch heutzutage als Mann noch nicht so richtig angenommen. Ich verwünsche also die Tatsache, dass der Tarnanzug aus Halo 3 in meinem Alltag noch nicht verfügbar ist und stehe ein bisschen rum, ostentativ linkisch, um zu signalisieren, dass es nicht meine Entscheidung ist, hier zu sein. Ich warte schließlich nur, bis die Liebe meines Lebens etwas vorführen, etwas enger Ausfallendes ordern oder etwas ganz anderes will. Bin bis zur Zuteilung einer Aufgabe (Guck mal, steht mir das?) quasi offiziell nichtexistent und in diesem Bereich ein vollkommener Fremdkörper. Damenschweiß, Gesprächsfetzen, Reißverschlussgeräusche und der gemischte Duft von fünf, sechs, acht Sorten Parfüm waschen über mich hinweg. Ich erkenne grundsätzlich nur L’eau d’Issey und das riecht man bekanntlich kaum, also erkenne ich gar keine Parfüms, daher kann ich jetzt auch nicht aufzählen, was die Frauen in München derzeit so auflegen, womit dieser Text auch als Zeitdokument quasi unbrauchbar ist und in hundert Jahren nur dann in Schulbüchern steht, wenn sich an dem Einkaufsverhalten von Männern und Frauen nichts Wesentliches mehr ändert oder ich überraschend doch noch zum Weltdiktator ernannt worden bin.

Zurück zum Thema: Da die Vorhänge von Umkleidekabinen nur mit drei Jahren Fachausbildung im Dekorateurswesen blickdicht zu schließen sind, kann ich nirgendwo hinschauen, ohne senkrechte Streifen von Bäuchen, Beinen, Brüsten aufgedrängt zu bekommen. Was also tun beim Warten, will ja nicht als Gaffer gelyncht werden, ich schaue also angezogene Frauen an, will sagen solche, die aus der Kabine stolzieren und ihren zahlenden Müttern oder zahlenden Männern vorzeigen, was sie zu kaufen lassen gedenken. Und das absurde Mädchenduo ein Stück den Gang runter, das im Dutzend Dirndl anprobiert und sich dabei so lange gnichelnd gegenseitig mit der Handykamera fotografiert, bis die Aufsicht kommt und die Girls des Platzes verweist.

Um nicht laut mit Kommentaren zu Faltenwurf am Po und der Kombinierbarkeit von Blautönen herauszuplatzen, versetze ich mich in einen Zen-artigen Zustand, der, lange eingeübt vor den Umkleidekabinen dieser Welt, bei Scientology sicher sofort den Status Clear wert wäre, wenn ich noch 50.000 Dollar drauflegen würde. Das ist schwer zu erreichen, denn die Sünden der Damen wiegen schwer, die Kommentare drängen sich an meiner Zungenspitze, aber als es gerade kaum mehr auszuhalten ist, hat die Liebe meines Lebens eine Jeans gefunden, die zumindest in die Top Ten des Nachmittags kommt. Und meine Meinung, in mild abgestuften Dosierungen natürlich, ist gefragt. Kurzer Dialog, Schwanken zwischen sage-ich-toll-damit-wir-wegkönnen oder bin-ich-nett-und-räume-ein-dass-sie-am-Hintern-straffer-sitzen-könnte, Wahl von Option 2, neuer Schwung Hosen, neue Runde Warten. Ach. Am Ende nimmt sie dann doch die, die ich als erste für sie ausgesucht habe. War ja auch die Teuerste.

Love will tear us apart (noch eine Geschichte mit Herrn Tamm)

September 23, 2007

Herr Tamm nimmt die Bahn. Das ist viel gefährlicher als Auto fahren, weil man nichts tun muss außer sitzen und deshalb Zeit zum Denken hat. Wer sich da nicht konsequent betäubt, mit Musik, Literatur oder Alkohol, der ist sich ausgeliefert. Tamm hat eine Abneigung gegen das Betäuben, versucht es aber probehalber mit Musik. Das geht […]

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Eine Geschichte über Herrn Tamm

September 19, 2007

Ich sehe ihn sitzen, an einem dieser spillerigen Holztische, wie man sie im Frühling in Gärten von Lokalen aufstellt. Vor ihm liegt ein Handy, ein schwarzes Sony Ericsson, das er aber nicht beachtet. Er schaut sich um, ungezielt, ohne Fokus, er langweilt sich. Er wartet auf jemanden, schaut aber nicht auf die Uhr. Er wird […]

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