Thai

Einsatz an der Tierklinik

by Gunnar on 4. Oktober 2008 · 4 comments

Kürzlich waren wir in der Chirurgischen Tierklinik von München, um unsere arme verletzte Katze zu besuchen.

Die Klinik liegt auf dem Gelände der Uni, das an einem Wochenendtag wie diesem, völlig verlassen ist, bis auf den schnauzbärtigen Pförtner, der an der Schranke in seinem Häuschen sitzt und alle Besucher ignoriert. Irritierend also, dass an der Ecke, wo man zur Tierklinik einbiegt, ein schwarzer Porsche steht, mit einem ausländisch aussehenden Pärchen drin, das gelangweilt in die Luft guckt.

Wir gehen dran vorbei, dann wird das Bild noch wesentlich surrealer: Überall stehen schwarze Vans mit fortlaufenden Nummernschildern — es sieht aus wie eine CTU-Operation. Ich zähle sechs Vans, dazu zwei schwarze Mercedes-Limousinen und der bereits erwähnte Porsche. Und dann die Leute: Bestimmt 20 oder 25 Männer in schwarzen Anzügen laufen auf der Zufahrt zur Tierklinik durcheinander. Die Hälfte mit Funkgeräten und diesem Ich bin nicht zum Spaß hier-Look, den Leibwächter und Türsteher oft vor sich her tragen, bei der andere Hälfte stehen die schwarzen Anzüge für Reichtum, Elite und Oberklasse. Als ich genauer schaue, huschen auch ein paar Damen in Business-Kostümen durchs Bild und steigen in einen der Vans.

Und alle sind Asiaten. Wo bin ich hier gelandet?

Die Liebe meines Lebens geht, unbeirrt vom Trubel, in die Klinik zur Katze, ich warte draußen mit dem Kinderwagen. Fast erwarte ich, angesprochen und weggeschickt zu werden — so sehr sieht das alles nach FBI-Einsatz aus, aber natürlich ignorieren uns die Leute.

Nach einer langen Weile plötzlich Aufregung, ein paar Mann der Leibwächtergruppe beziehen andere Positionen. Ein Mann kommt aus der Klinik und trägt… …einen mageren weißen Pudel, offenbar der Grund für das ganze Bohei. Die Töle wird sorgfältig auf einem Rasenstück abgesetzt, mehr und mehr Anzüge laufen zusammen und umstellen das Tier, das nach ein paar Minuten eine bequeme Stelle gefunden hat und unter allerlei prüfenden Blicken und Getuschel sein Geschäft verrichtet. Einer der Männer aus der Gruppe der Hundegeschäftbeobachter sieht anders aus — er trägt als einziger keinen schwarzen Anzug, sondern Designerjeans, Hemd und Pullunder. Dazu raucht er Pfeife, mit dem Gebaren eines englischen Lords. Er mag in den Fünfzigern sein und ist offenbar der Ranghöchste, das wird aus der Art deutlich, wie sich alles um ihn herum gruppiert. Zudem scheint der Hund ihm zu gehören.

Plötzlich, ohne Vorwarnung, löst sich dann die Versammlung innerhalb von zwei Minuten auf — die Leibwächter steigen in die Vans und die Honoratioren in die Limousinen, dann rauscht die Wagenkolonne an mir vorbei. Einige der Autos tragen Diplomatennummernschilder.

Ich stehe da mit meinen Alltagsklamotten und dem Kinderwagen und komme mir vor, als hätte ich die ganze Sache bloß geträumt.

Ein paar Erkundigungen später: Die Männer waren Thai; der Pudel war nicht krank, sondern nur vom zufällig in Deutschland weilenden Besitzer für einen Gesundheits-Check vorbeigebracht worden, beim Pfeifenraucher handelte es sich um Thronfolger von Thailand, Kronprinz Vajiralongkorn. Immerhin.

Surreal. Sowas passiert einem bloß in München.