TV

Social Media, Piraten und die Politik

by Gunnar on 19. April 2012 · 15 comments

Irgendwie funktioniert das Social Media-Ding nicht. Oder ich mache was falsch. Obwohl ich mich wirklich bemühe, News-Webseiten zu vermeiden, habe ich gestern dennoch wieder aus drei Quellen erfahren, dass die ARD Gottschalks Show abgesetzt hat. Ich kann überhaupt nicht, ohne Wörter von Tolkien’scher Epik zu bemühen, das unendliche, direkt kosmische Desinteresse beschreiben, das mich ankommt, wenn ich die Buchstabenkombination ARD beziehungsweise den Namen Gottschalk lese.

Was treibt all die cleveren Leute, denen ich hie und da folge, dazu, sich zu Fragen der Programmplanung eines Senders zu äußern, auf dem sie allenfalls einmal die Woche den Tatort einschalten, um sich dann auf Twitter über dessen mangelnde Authentizität aufzuregen?

Es wird sich ja gerne über die Boulevardisierung von SpOn beklagt, durchaus zu recht, ich habe aufgehört, die Seite zu lesen, als ich an drei aufeinanderfolgenden Tagen ungewollt Lady Gaga-Information ausgesetzt worden bin, aber hey, wenn all die lässigen Elite-Twitterer und Edel-Facebooker es für ironische Gelassenheit halten, belanglose Boulevard-News funny-funny zu kommentieren, dann läuft da was falsch, wie zum Beispiel auch im Bau dieses Satzes, der eine merkwürdige Bandwurmigkeit angenommen hat, aber das ist ja ein ganz anderes Thema.

Ein noch ganz anderes Thema, das nichts mit dem Beginn dieses Textes zu tun hat, aber mir eben gerade einfiel, ist die Piraterie. Ich rede da von der politischen Partei, nicht etwa von Räubern auf See. Diese Doppeldeutigkeit des Begriffs Piraten nervt mich übrigens unendlich, weil ich, als alter Herr quasi ständig von Reizüberflutung bedroht, immer unangenehme Zehntelsekunden der Verwirrung auszustehen habe, wenn ich wie gestern Schlagzeilen wie “Bundeswehr darf Piraten jetzt auch an Land verfolgen” lesen muss. Ich sehe dann vor meinem geistigen Auge immer Panzer über Uni-Campusse rollen, schreiende Nerds in schwarzen T-Shirts bedrohend. Kann man den Laden nicht in PPD oder etwas ähnlich Althergebrachtes umbenennen? Über die Piraten sagen übrigens viele, die seien doof, besonders Anhänger oder Funktionsträger verstaubter Pöstchenparteien mit schlechtem Trackrekord posten in diesen Social-Media-Kanälen (oh, Social Media, wir sind doch noch beim Thema, quasi) kleine Beweise der besondere Sachunkundigkeit oder schlichten Blödheit einzelner Piraten. Dazu wäre anzumerken, und mich wundert, dass das kaum jemand mal deutlich sagt, dass das Spotten über die piratische Unbedarfheit so weit am Thema vorbeigeht wie eine Tatortfolge, die in Dresden spielt, in der aber kein Sächsisch gesprochen wird. Die Piraten sind nicht beliebt, obwohl sie unbedarft und hilflos und jung sind. Die Piraten sind beliebt WEIL sie unbedarft und hilflos und jung sind. Denn in den Augen von wenigstens 10 Prozent der potenziellen Wähler ist jung und doof immer noch besser als alt, bestechlich und abgewichst. Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Selbst wenn die Piraten plötzlich versehentlich mit dem aktuellen Personal und den aktuellen Strukturen überall in Regierungsverantwortung müssten, es fiele ihnen schwer, es noch sehr viel schlechter zu machen als, sagen wir, ein CDU-Mann, der in einem verfassungwidrigen Verfahren 5 Milliarden Steuereuros für einen Konzern ausgibt (der kurz danach drastisch an Wert verliert), und wichtige Mails und Akten zum Deal nicht mehr findet. Oder ein Grüner, der sich von einem Lobbyisten Geld leiht und als Begründung angibt, er sei in Schwierigkeiten, weil er humanitären Organisationen so viel gespendet habe. Oder ein CSU-Mann mit erschlichenem Doktortitel, über dessen größte Amtsreform sein CDU-Nachfolger mit der Formulierung “unhaltbare Zustände” spricht. Oder oder oder, die entsprechenden Beispiele für Linke, FDP und SPD mag sich jeder selber ergoogeln. Ist nicht allzu schwer. Immer gut: Parteispenden, Postenvergabe, Bauvorhaben. Die etablierten Parteien bestehen, der Eindruck drängt sich auf, aus inkompetenten Abzockern und sind den Berliner Lobbyisten hilflos ausgeliefert. Dann lieber die Piraten, mag sich mancher denken.

Oh. Das hat jetzt einen ernsten Unterton angenommen, dabei begann der Beitrag so leicht. Zum Abschluss noch ein Vorschlag für eine Social Media-Sache, die ich gerne lesen würde: Kann mal einer dieser Hacker, von denen man allenthalben hört, vielleicht sogar ein Pirat, Angela Merkels Handy hacken und aus ihren SMS einen Twitterfeed machen? Das würde mich interessieren. Mehr als Herrn Gottschalks aktueller Aufgabenschwerpunkt.

TV-Serientipps, mit Ordnung diesmal

by Gunnar on 3. August 2010 · 28 comments

Herr Kaliban hat die Hinweise auf gelungene TV-Serien, die die geschätzten Mitlesenden neulich so reichlich gegeben haben, mal in eine lesbare Form gebracht.

Dies ist die Top 20 der Kaliban-Freunde hier und auf Facebook:

1. Dexter | [13 Punkte] | Blutspritzeranalyse

2. Breaking Bad | [9,5 Punkte] | Waschanlagenchemielehrer

2. How I met your mother | [9,5 Punkte] | Lebensgeschichten

4. Boston Legal | [8,5 Punkte] | Anwaltskanzlei

4. Califonication |[8,5 Punkte] | Sex And The City für Männer

6. Battlestar Galactica | [8 Punkte] | Sci-Fi-Komplex

6. Firefly | [8 Punkte] | Weltraumwestern

6. The Wire | [8 Punkte] | Abhörtaktik

9. The Sopranos | [7 Punkte] | Mafialeben

10. Rome | [6,5 Punkte] | Reichsuntergang

11. Scrubs | [6 Punkte] | Krankenhauscomedy

12. Burn Notice | [5,5 Punkte] | Geheimdienst

12. My name is Earl | [5,5 Punkte] | Kleinkriminellenkarma

12. True Blood | [5,5 Punkte] | Sookie-Stackhouse

15. The Big Bang Theory | [5 Punkte] | Nerds

15. Coupling | [5 Punkte] | Mittdreißigeralltag

15. Mad Men | [5 Punkte] | Werbeagentur

15. Torchwood | [5 Punkte] | Auflerirdischenüberwachung

19. Deadwood | [4,5 Punkte] | Goldsuche

20. Life on Mars | [4,5 Punkte] | Polizeiserie

Tipp: Es gibt, für Leute, die Geld ausgeben wollen, diese Hitparade auch als Amazon-Liste.

Soviel zur Demokratie. Und dann wären da noch die Exoten:

Skarnickel* und Sinngh* schlagen Top Gear vor, allerdings nur auf Englisch, ein, uh, Entertainment-Automagazin. nuts muc* findet Green Wing unglaublich, eine Krankenhausserie, die anders ist als alles andere in dem ausgelutschten Genre. Ellenn* wurde der Psychologenserie In Treatment schier umgehauen, sagt er. Die Frau von Herrn Kaliban sekundiert. Dagobert* wirft noch Becker in den Ring, eine hierzulande unbekannte Serie um einen griesgrämigen Arzt aus der Bronx. Markus* ist fassunglos, dass niemand Rescue Me empfiehlt, ein Charakterdrama über Feuerwehrleute in der Zeit nach “9/11″. Und dann haben wir noch Kasimir*, für den United States of Tara noch in der Liste fehlt.

Und Herr Kaliban kann nicht glauben, dass es die IT-Crowd nicht in die besten 20 geschafft hat. Lag auf Platz 29. Insgesamt wurden übrigens knapp 120 unterschiedliche Serien genannt, wer an der kompletten Liste interessiert ist, kann ja mal Laut geben. Im übrigen vielen Dank euch allen. Ihr steht alle in meinem Buch der coolen Leute, auch die, die mir missliebige Serien empfohlen haben.

Und hier nochmal zum Gegencheck die Top 10 von Herrn Kaliban himself, die allerdings schon ein bisschen veraltet ist, weil beim Herr K. die Goldkindtm-Pflichten mit TV-Konsum kollidieren.

1. Six Feet Under
2. Futurama
3. Coupling
4. Firefly *
5. Battlestar Galactica *
6. Dr. Who *
7. Cracker *
8. Deadwood
9. IT-Crowd
10. Rome *

Ich würde mehr Fernsehen schauen, wenn…

by Gunnar on 11. Dezember 2009 · 14 comments

tv
[von Rock Paper Cynic]

Das muss enden!

by Gunnar on 1. August 2009 · 13 comments

bundesliga

Gottseidank geht’s bald wieder los.

Ich bin der Doktor. Doktor wer?

by Gunnar on 20. Juni 2009 · 12 comments

Also, da ist dieser Typ mit der absurd übersteigerten guten Laune und dem ziemlich britischen Akzent. Der reist mit seinem Raumschiff, das aus Tarnungsgründen ein bisschen aussieht wie ein Telefonzelle, durchs All, vor allem aber auch durch die Zeit. Sein Hauptpläsir ist es, Menschen in Not gegen übergeschnappte Aliens zu verteidigen. Er hat nämlich einen Hang zu Menschen, obwohl er in Wirklichkeit der letzte lebende Vertreter einer uralten Mega-Zivilisation ist und sich um das Schicksal der Menschheit nicht scheren müsste. Begleitet wird er stets von einer attraktiven jungen Dame, die aber keine Ahnung von intergalaktischen Zivilisationen oder der komplexen Diplomatie zwischen Aliens hat und deshalb immer in Schwierigkeiten gerät. Aber er rettet sie dann, auch aus ausweglosen Situationen. Obwohl er nie bewaffnet ist, wenn man seinen sonischen Schraubenzieher nicht mitzählt.

Man nennt ihn nur den Doktor.

Puh. Man tut sich schon ganz schön was an, wenn man frisch in eine Fernsehserie einsteigt, die gestartet ist, bevor man geboren wurde. Die Macher von Doctor Who pfeifen auf allerlei Konventionen und jubeln dem geneigten Zuschauer von Folge zu Folge noch absurdere Konzepte unter, alles unterfüttert mit eklatant unüberzeugender Tricktechnik und haarsträubenden Plots.

Ich hatte dann auch nach zwei Folgen den Entschluss gefasst, aufzuhören, trotz warmer Empfehlungen. Hab’s dann aber doch weiter gekuckt und es nicht bereut — Doctor Who ist eine Serie, die man sich irgendwie schön guckt. Bisschen wie Firefly, das ist ja auch so albern von der Konstellation und der Ausgangssituation her, dass man abschalten möchte, aber wenn man durchhält, wachsen einem die Figuren ans Herz.

Doctor Who macht es einem aber sogar dabei schwer, denn es gibt kaum Hauptpersonen und die paar werden auch noch zwischen Staffel 2 und 3 (der neuen Serie) auch noch gegen andere ausgetauscht. Aber da man ja schon verkraften musste, dass der Doktor selber von Staffel 1 auf 2 von wem anders gespielt wird, macht das auch alles nichts mehr aus.

Außerdem ist es ja eh zu spät, ich bin irgendwie drauf. Obwohl das mal echt eine bekloppte Serie ist. Hatte ich schon erwähnt, dass die schrecklichen Über-Aliens eine Art fahrende Salzstreuer sind?

Bumerang-Geld

by Gunnar on 4. März 2009 · 9 comments

Habe eben, im Privatfernsehen, einen, uh, deutschen Schamanen (*) gesehen. Aus Karlsruhe. Der Herr hat die sympathische, aber irgendwie allzu weltliche Angewohnheit, seine Geldscheine zu streicheln, bevor er sie zum Austausch gegen Waren, Drogen oder Dienstleistungen fortgibt. Das sei ein Ritual, erklärte er, er verabschiede sich eben gerne von seinem Geld, teile ihm mit, dass er es gerne bei sich gehabt habe und dass er sich wünsche, es würde, vielleicht zusammen mit Cousinen und größen Brüdern, zu ihm zurückkehren.

Klingt komisch, aber wie Heinz Rudolf Kunze mal sagte: Das ist durchaus nicht kindisch, sondern irgendwie indisch.

Aber hey, das muss ich auch mal ausprobieren. Irgendwie hat mein Geld die Angewohnheit, in den Taschen fremder Leute zu verbleiben. Wobei das Bargeld aber eigentlich nicht das Problem ist, da hält sich der Abfluss in Grenzen. Schlimmer ist die Sieb-Haftigkeit meines Bankkontos. Kann man das Prinzip auch auf abgebuchte Summen anwenden? Kann ich dem Geld auf meinem Konto eine Art Attachment anhängen, damit es in der Fremde weiß, zu wem es eigentlich gehört?

Ach, mein armes Geld. Falls ihr, liebe Mitlesenden, bei euch verirrtes Geld findet, das eigentlich zu mir gehört, wäre es nett, wenn ihr ihm dem Weg zurückzeigen würdet.

Unser Restaurant, Teil 2

by Gunnar on 8. November 2008 · 12 comments

Oh. Ich erzählte doch neulich von dieser Vox-Sendung, Mein Restaurant. Ihr wisst schon, die wo so Pärchen um die Wette Restaurants eröffnen und am Ende gewinnt ein Paar und hat einen Sinn im Leben und die anderen müssen schließen und wieder in den Salzminen arbeiten. Eines der Lokale ist bei uns um die Ecke, wir waren dort essen, sind nervig gefilmt worden, kamen aber in der Sendung nicht vor. Dachten wir. Jetzt gab es noch eine Folge, und wir waren drin. For good or worse.

Das ist natürlich nicht von nationalem Interesse, aber ich dokumentiere es hier trotzdem. Ist ja mein Blog. Kann mir ja keiner langweilige Beiträge verbieten.

Nach 40 Minuten kommt das Essen. Die Liebe meines Lebens bleibt gelassen.

Nach 40 Minuten kommt das Essen. Frau L. bleibt gelassen.

Alter Bedienungstrick: Baby betütteln. Stehen Väter drauf. Auch Herr L.

Alter Bedienungstrick: Baby bewundern. Stehen Väter drauf.

TEH BABY: so klein und schon im Fernsehen.

15 seconds of fame: so klein und schon im Fernsehen.

Unser Restaurant

by Gunnar on 4. November 2008 · 13 comments

Keine Ahnung, wer die Sendung Mein Restaurant von Vox kennt oder sieht, aber jedenfalls kommt die neueste Folge heute abend um 20:15. Darin geht’s um fünf Paare, die alle ein Restaurant eröffnen, mit Kohle von Vox, und dann über den Verlauf der Folgen je nach Gutdünken der Jury (mit dem ubiquitären Tim Mälzer, natürlich) noch mehr Kohle kriegen oder auch nicht, damit sie das Personal oder Speisekartenupgrades bezahlen können oder was auch immer. Jedenfalls gewinnt am Ende nur eines der Restaurants, und der Rest muss dicht machen.

Warum erwähne ich das? Bin ich eine Programmzeitschrift?

Nein, aber einer der Läden, die Grinsekatze, liegt in München, fußläufig zu unserer Wohnung. Und wir waren dort am Sonntag mittagessen, aus Fernsehguckerneugier und weil es bei uns aus unerfindlichen Gründen an brauch- und bezahlbaren Restaurants fehlt.

Das war eine mild surreale Erfahrung, dem Personal stand die Nervösität in die Gesichter geschrieben und ein geieriges TV-Team* wuselte um die Tische, immer auf der Suche nach möglichst spektakulären O-Tönen und Bildern — wobei “spektakulär” wohl in erster Linie negativ gemeint war: Als eine Bedienung mal kurz über das Kassensystem maulte, kam der Redakteur angesprungen und meinte: “Okay, und jetzt sag noch mal in die Kamera wie scheiße du das findest und warum das total arbeitsverhindernd ist”. Die Bedienung wiegelte ab “Ich weiß ja, was das Problem ist, ist nicht so schlimm”, und erntete dafür einen vernichtenden Blick. Ähnliches passierte, als ein Kellner ein Glas zerbrach. Und dann nochmal, als wir unser Essen mit Verspätung bekamen — die Bedienung entschuldigte sich nett, der Redakteur unterbrach: “Stop! Jetzt komm noch mal rein und sag deutlich, wofür du dich entschuldigst.” Und dann, an uns gewandt: “So, wie lange haben sie jetzt warten müssen?”

Da war uns der Herr aber schon so unsympathisch, dass wir instinktiv und trotz fast 40 Minuten Wartezeit mit immer nörgeliger werdender Tochter freundlich lächelnd “ach, nur 20 Minuten, alles okay” sagten.

Ist schon irgendwie fies für die Restaurantbetreiber, das alles, aber hey, so ist das wohl — wer sich in die Fänge des Fernsehens begibt, muss deren Regeln mitspielen.

Und jetzt mal gucken, ob wir in der Folge vorkommen oder ob die uns rausgeschnitten haben, weil wir nicht böse genug waren.

* Am Rande: Unglaublich, wie klischeehaft das TV-Team zusammengesetzt war: Magerer Redakteur, Mitte 40, zerfurchtes Gesicht, Typ “vom Leben gezeichnet” plus kräftiger Kameramann mit Bart und Ich-war-schon-in-Indien-und-habe-alles-gesehen-Ausdruck plus jungspundiger, hübscher Ton-Assi mit arschritzezeigender Hiphopperhose und modisch verwuscheltem Haar. Die werden offenbar auch gecastet.

Die Zeitschrift und der Freak

by Gunnar on 16. Mai 2008 · 47 comments

Das Fernsehen, in seiner Tücke und vorurteilsbeladenen Ablehnung der Computerspieler an sich, hat uns erst neulich, in Form eines schwachsinnigen ZDF-Beitrags (siehe auch hier) mal wieder ordentlich Nerven gekostet. Naja, das ZDF eben. Die verbohrten Öffis. Sitzen da droben, Alphorn spielend auf ihren Bergen von Gebührengeldern und blicken mit Grausen auf das gottlose Treiben in der Welt der unter 60jährigen. Immerhin springen die gnadenlos kommerzhörigen Privatsender, stets den Blick fest auf die nächsten Werbespot-Einbuchungen der Killerspiele produzierenden Industrie gerichtet, einigermaßen selten auf den Huh, die bösen Spiele-Zug auf.

Im Gegenteil: Der Privatsender ProSieben verwendet die meinungsführende Computerspieler-Postille GameStar sogar als Requisite, was den Ruhm der Marke GameStar ins Unermessliche steigern würde, wenn… …ja, wenn die betreffende Sendung nicht gerade Das Model und der Freak wäre. Und die Einblendung der Zeitschrift nicht perfiderweise dem Zweck dienen würde, die Freakhaftigkeit eines freundlichen Physikstudenten auf besonders drastische Weise herauszustellen. Und wenn nicht, argh, zum Bild des GameStar-lesenden Jungphysikers der Off-Sprecher die giftigen Worte Ja, so lockt man keine Frau aufs Liegesofa schnarren würde.

Ach, die Bosheit der Mainstream-Medien. Naja, besser schlechte Presse als keine Presse, nehme ich an.

der freak

Wer sich das Elend mal anschauen mag: Hier, bei Pro7 den Player starten, die Werbung ertragen und zu Minute 3:10 vorspringen. Uh.

Diese stumpfsinnige Ironie

by Gunnar on 16. Januar 2008 · 28 comments

Diese absurde Dschungel-Show kommt wieder im Fernsehen, und alle halten’s für doof, peinlich und ganz allgemein für ein typisches Beispiel von Unterschichten-TV. Klar. Ist es ja auch: Spielt primitiv mit der Schadenfreude und hat als Subjekte eine Reihe abgehalfteter Vollpfosten mit gestörter Selbstwahrnehmung, die sich nur insofern von gewöhnlichen Dorfdeppen unterscheiden, als dass ihr Blödsein einem weiteren Kreis von Menschen zugänglich ist.

Aber: Die Einschaltquoten sind super und das liegt keinesfalls nur an den gern zitierten bildungsfernen Schichten — wie der Herr N. ganz korrekt herausarbeitet, hat IbeS, hmhr! souveräne 25 Quotenprozente in der Gruppe der unter 50jährigen mit Abitur geholt. Die Grenze zwischen Sehern und Nichtsehern läuft entlang der Altersgruppen, nicht entlang der Bildungsgrade. 25 Prozent, das ist mehr als jede Nachrichtensendung, jede BBC-Doku, jeder Themenabend, den Arte jemals gebracht hat — einzig Spielfilme schlagen sich besser. Sinkt der IQ der formell Gebildeten? Ist Schund jetzt Konsens?
Vermutlich schon, irgendwie. Heutzutage ist, anything goes, irgendwie alles erlaubt. Wie im englischen Laddism, der ja auch deswegen so funktionierte, weil er (männlichen) Studenten prolliges Verhalten ermöglichte, kann man heute als Akademiker problemlos seinen uniabgeschlossenen Freunden erzählen, was man am Abend zuvor eingeschaltet hat. Macht nichts, die haben’s ja auch gesehen. Es gibt nur eine Regel zu beachten — man muss es entweder mild ironisieren (und damit deutlich machen, dass man das, dem man vorher 90 Minuten seiner kostbaren Lebenszeit geschenkt hat, ja eigentlich scheiße findet) oder sich auf die etwas schwache, aber weithin akzeptierte Position des Ach, ich war so fertig, wollte nicht denken, wollte nur abschalten zurückziehen.

Das kotzt mich ein bisschen an.

Überdies ist das alles Zeitverschwendungsfernsehen. Wenn man ein halbwegs tragfähiges Show-Konzept, wie DSDS, beispielsweise auf eine halbe Stunde runterbrechen würde, also quasi auf Songs und Bohlen-Gehässigkeiten, dann könnte man’s ja vielleicht zuweilen noch anschauen. Aber das ist ja alles mit künstlicher Spannung, falschen Gefühlen und hirnmordendem Moderatorengewäsch auf das Dreifache des Erträglichen aufgeblasen.

Auch noch.

Ahem. Auf den nächsten Zeilen folgt ein pathetischer Aufruf, vielleicht sollten zynische Gemüter jetzt und hier aufhören zu lesen. Und morgen abend wiederkommen.

Wenn also die Massenmedien blöd sein wollen, aus Quotengeilheit oder schlicht schlechtem Geschmack, heißt das ja nicht, dass wir ihnen auf dem Weg in den Blödsinn folgen müssen: Lasst uns der Versumpfung durch die Medien Einhalt gebieten! Lasst uns schreiben, malen, musizieren, leben. Kinder zeugen, Projekte auflegen, Labels, Verlage, Wir-AGs gründen. In Foren diskutieren. Blogs zu abseitigen, pseudointellektuellen Nischenthemen einrichten. An Wikis mitarbeiten. Lasst uns Parteien unterwandern, durch Institutionen marschieren. Lasst uns der stumpfsinnigen Ironie Einhalt gebieten, Menschen und Dinge und Themen ernst nehmen. Lasst uns Herzblut vergießen, immer wieder.

Wirklich. Die Welt könnte ein besserer Platz sein.

Nachtrag: Jaja, ich will gar nicht behaupten, dass ich frei von Konsumschwächen wäre — bei mir ist’s weniger das TV, aber ich könnte sicher meine Freizeit auch sinnvoller nutzen, als zum 3. Mal den Herr der Ringe auf DVD zu sehen oder mich quer durch das Mittelmaß des amerikanischen Spieleschaffens zu arbeiten. Klar. Aber ich halte mir zugute, dass ich immerhin auf diese pseudoironische Nähe zum Schmutz verzichte. Immerhin.

Ein kleines Erweckungserlebnis hatte ich vor einigen Jahren, als ich, irgendwie, alle Ausreden aufgebraucht hatte, nicht mit Die Buddenbrooks anzufangen. Das übliche: “Ach, ich bin müde, ach, so ein dicker Schinken, als ich will mich entspannen, die Arbeit ist anstrengend genug” et cetera pp. Aber dann habe ich’s begonnen und, huh, es war leicht und locker zu lesen, anregend, ohne anzustrengen, entspannend, ohne abzustumpfen. Ging dann ganz gut. Der Selbstbetrug zuvor kam mir dann ziemlich albern vor.

Vor der Effizienz kommt die Prominenz

Oktober 28, 2007

Bei uns zuhause läuft häufig der Fernseher. Was ein bisschen erstaunlich ist, weil ich nie TV gucke. Wohl aber schaue ich Serien auf DVD und spiele mit der Xbox 360 oder dem Wii. Wenn ich das nicht tue, schiebt die Liebe meines Lebens gerne ein paar Kochsendungen oder Krimiserien dazwischen. Naja, lange Vorrede, kurzer …

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Das Dauerveto

August 9, 2007

Einerseits ist es bekanntlich eine Schande, dass heutzutage nichts mehr für die Ewigkeit gebaut wird und alles immer schlechter und Anzüge kaputt nach drei Mal tragen und Schuhe, ach Schuhe und Autos, vollständig Plastik, mag man gar nicht von reden und Mahlwerke von Kaffeeautomaten, quasi mit Ablaufdatum, damit man bald einen neuen braucht und …

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