Vaterproblemchen

Jeder nur seine Schuhe

by Gunnar on 13. Januar 2012 · 7 comments

Herr Kaliban kollidiert mit dem Goldkindtm.

Im Flur, kurz vor dem Abmarsch zum Kindergarten.

Goldkind: Meine Schuhe stehen falsch!
Herr Kaliban: Ja, ich habe sie dir schon hingestellt.
Goldkind: Die sollen da nicht stehen. Die gehören so! (stellt die Schuhe in Reih und Glied an den Rand)
Herr Kaliban: Ja, aber…
Goldkind: Wenn das schon meine Schuhe sind, soll die auch kein anderer anfassen!
Herr Kaliban:
Goldkind: Jeder soll überhaupt nur seine eigenen Schuhe anfassen!
Herr Kaliban: Zum einen wollte ich dir nur helfen, zum anderen nimmst du ja auch gerne mal das Spielzeug von anderen Kindern, oder?
Goldkind: Schuhe sind aber kein Spielzeug!

Nun, das ist natürlich richtig.

Ach, Gespräche mit Kindern sind vermintes Gelände.

Teh Pizza of Evil!

by Gunnar on 13. August 2010 · 9 comments

Herr Kaliban sitzt mit dem Goldkindtm zu Tisch.

Herr Kaliban: (kaut) Lecker, die Pizza.
Goldkind: Nein, is nich lecker. Die is böse!
Herr Kaliban: Böse? Hat sie dir was getan?
Goldkind: Nein, die sagt immer was Böses!
Herr Kaliban: Was denn so?
Goldkind:(überlegt) Aua!
Herr Kaliban: Aua?
Goldkind: Sag’ der, dass sie nicht Aua sagen soll.
Herr Kaliban: Äh. Nun. (leise) Pizza, sag’ nicht immer Aua.
Goldkind: Nochma. Lauter. Und Hauen!
Herr Kaliban: (haut die Pizza mit dem Messer) Sag’ nicht immer Aua!
Goldkind: Und nochma!
Herr Kaliban: (haut die Pizza mit dem Messer) Sag’ nicht immer Aua!

Manchmal frage ich mich, ob das Kind nicht schon in seinen jungen Jahren für eine dieser Shows mit der versteckten Kamera arbeitet und Material für ein Väter-Töchter-Special sammelt.

Mingo, Elafant und Pingué

by Gunnar on 3. Februar 2010 · 17 comments

Es folgen ein paar eher persönliche Zeilen, die aufzuschreiben dem Herrn Kaliban aber wichtig genug war, dass er sogar bereit war, für ein paar Minuten das aktuelle Gemetzel in Mass Effect 2 zu unterbrechen.

Wenn man ein Kind bekommt, gibt es eine Reihe von Männern, die einen beiseite nehmen und auf das unvermeidliche Schicksal vorbereiten: Dieses Kind, das ist eines von den Projekten, wo die Frau des Hauses alles bestimmt und männliche Mitsprache nur sehr eingeschränkt zulässt. Wie bei der Haushaltskasse, der Wahl der Vorhangfarbe und dem Sex. Als Mann könne man da überhaupt erst später so richtig eingreifen, vielleicht so im Alter von drei, vier Jahren und dann auch eigentlich so richtig nur bei Jungen — die überlässt einem die Frau zähneknirschend hin und wieder, weil sie in einem Erziehungsberater gelesen hat, dass die männliche Rollenmodelle brauchen. Männer erzählen einem immer von der Freude des Beim-Aufwachsen-Zusehens, von dem Stolz, die Fortschritte des Kindes zu sehen, den täglichen wachsenden Möglichkeiten der Kommunikation. Lineare Progression ist ja eh so ein Männerding.

Frauen hingegen beschreiben gerne das Glück des Innehaltes, des Genießens der Kindlichkeit, die ja Tag für Tag Stück für Stück verloren geht. Bis irgendwann das Balg nur noch nach Hause kommt, um die Wäsche zu wechseln und das iPhone aufzuladen.

Heute war so ein Tag, wo ich beides verstehen konnte: Meine Tochter zählte die Tiere in ihrem neuen Puzzle auf: Chameleon, Mingo, Bär, Elafant, Schdildköte, Eule, Affe, Gaffe, Wal, Pingué. Und ich war (männlich) stolz, dass sie die ganzen Tiernamen schon so gut kann — und (sozusagen weiblich) berührt von der Erkenntnis, dass sie das entzückende Wort “Pingué” schon bald durch den korrekten “Pinguin” ersetzen und dann vergessen wird, dass eh je eine Zeit gab, wo sie das noch nicht richtig konnte.

Ach. Ist schon schön, Kinder zu haben. Das öffnet Türen im Haus des eigenen Ich, von denen man immer gedacht hat, sie wären bloß Deko und würden nie aufgehen. Oder so.

Elterngeheimnisse

by Gunnar on 27. November 2009 · 14 comments

Ich hatte mein bescheidenes Nebenprojekt Berufsgeheimnisse.de (bei dem es um das Sammeln kleiner Fetzen anekdotischen Insiderwissens geht) ja schon ein, zwei, drei Mal erwähnt. Und sicher auch drauf hingewiesen, dass ich dankbar um jeden bin, der dabei mitmacht. Nun gibt es eine Art Extension — die Elterngeheimnisse.

elterngeheimnisse

Der amerikanische Blogger Matthew Baldwin beschreibt Elternsein als “eine Serie von Querdenker-Rätseln”. Das trifft’s schon, irgendwie. Wir alle, die wir Kinder haben, erfinden täglich kleine Tricks, um irgendwas zu erreichen — wir denken uns ein Spiel aus, um aus dem täglichen Zähneputzen ein lustiges Ritual zu machen. Wir nehmen einen Ball mit zum Schuhkauf, um ihn durch den Laden zu werfen, damit das Kind hinterher rennt — und nicht in den ungewohnten Schuhen erstmal wie angewurzelt stehen bleibt. Wir wickeln den Teddy und die Puppe, um das Kind dazu zu bringen, sich leichter die Windel wechseln zu lassen. Wir führen ein komplexes Verabschiedungsritual durch, wenn das Kind sich nicht von einem Spielkameraden trennen will. Wir legen eine alte PC-Tastatur neben die richtige, damit das Kind unser Herumtippen nachahmen kann, ohne das System zum Absturz zu bringen.

Et cetera.

Jeder hat seine Methoden, jeder hat seine Ideen. Manche erzählen wir Freunden, manche behalten wir für uns, manche vergessen wir einfach wieder. Diese Webseite soll die Tricks und “Geheimnisse” von Eltern sammeln, als Hilfestellung für andere Eltern primär, aber auch einfach zu Erbauung oder Unterhaltung. Es geht nicht um lange Abhandlungen, komplexe Anleitungen, Produkttipps oder Rezepte, dafür gibt es genügend Orte im Netz — auf elterngeheimnisse.de soll das Leichte, Schnelle, vielleicht Verblüffende im Vordergrund stehen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn einige von Ihnen, geschätzte Mitlesende, mitmachen und uns einen oder mehrere Ihrer Tricks verraten würden. Noch ist die Seite nämlich ein bisschen leer…

Update 30.11.: Seit eben funktioniert auch der bislang fehlerhafte RSS-Feed.

Das Gandhi/Stalin-Problem

by Gunnar on 23. September 2009 · 17 comments

Wenn unsere Tochter, das Goldkindtm, nach ihrem Mittagsschlaf aufsteht, dann wachsen ihr Engelsflügel — lauten Meinungsäußerungen abhold, schwebt sie durch die Räume, hat für Kater&Mutter&Vater immer ein Lächeln, beteiligt sich an Spielen, hebt Dinge auf, die ihr runter fallen, freut sich über Kleinigkeiten, erprobt ihre Sprachfertigkeiten an neuen Sätzen, singt, tanzt, wirft Kusshände, badet in überirdischem Licht. Und so weiter.

Außer manchmal.

Manchmal steht sie nach dem Mittagsschlaf auf und hat eine Laune wie Sauron bei Sonnenschein. Dann bekommt sie minutenlange Wutanfälle, wenn man ihr das Messer entwindet, mit dem sie auf den Kater losgehen wollte. Dann lehnt sie Nahrung, Getränke, Musik und Spielzeug ab. Dann experimentiert sie vornehmlich mit den psychoakustischen Eigenschaften von zerbrechlichen Gegenständen. Tritt Löcher in die Wand. Bekommt eine grüne Hautfarbe. You get the picture.

Es ist uns nicht gelungen, herauszufinden, wo der Schalter ist, mit dem Gott bei ihr zwischen den Modi umschaltet. Sachdienliche Hinweise werden gerne entgegengenommen.

*Seufz*.

Wie sieht ein Grumparp aus?

by Gunnar on 6. Mai 2009 · 19 comments

Liebe unbekannte Holzzuschneide-Firma,

wenn Sie es schon auf sich nehmen, im komplexen Markt der Kinder-Holztierfiguren zu agieren, dann geben Sie sich doch ein bisschen mehr Mühe. Es ist ja durchaus verständlich, wenn Sie versuchen, die Tiere ein bisschen zu abstrahieren, Holz ist ja auch ein schwieriges Material, aber es tut doch wirklich nicht Not, dass Ihre hippen Designer die Formen handelsüblicher Tiere dekonstruieren. Das gibt dann vielleicht in hippe-Designer-Kreisen Extrapunkte für Chuzpe, aber bedenken Sie, in welche Situationen das die Väter von kleinen Goldkinderntm bringt — mit großen blauen Kinderaugen schauen die Kleinchen zu Ihren Vätern auf, die sie (noch) für allwissend halten, erwarten sich Aufschluss, Klärung, das Ordnen des chaotischen Universums. Und dann kneifen die Väter ein Auge zu, fixieren das Tier noch mal und stammeln, äh, das, das ist ein, äh, tja, keine Ahnung, ein Grumparp vielleicht. Papa? Was ist denn ein Grumparp? Gibt es das überhaupt? Nun, klar, uh, die leben in Westfriesland, in so kleinen Wäldern und ernähren sich von Igelrobben. Mamaaaa! Papa faselt schon wieder!

So verliert die junge Generation vorzeitig den Respekt vor der Lebenserfahrung der Alten, die Sitten verlottern, Drogenkonsum und Facebook-Nutzung greifen pandemisch um sich, alles wird schlimmer, schlimmer, schlimmer.

Und Sie sind schuld, liebe unbekannte Holzzuschneidefirma.

p5051477[von links nach rechts: Löwe, Igelrobbe, Grumparp]

Gib mir ein Zeichen!

by Gunnar on 1. Juli 2008 · 6 comments

Es gibt ja diese alte Theorie, dass man Babys, bevor sie zu sprechen anfangen, eine simple Zeichensprache beibringen kann. Man kann sich das ganz gut vorstellen: Die Kleinchen bekommen relativ schnell raus, dass sich die Chance, von Papa auf den Arm genommen zu werden, quasi exponentiell erhöht, wenn sie die Ärmchen ausstrecken und große Augen machen. Funktioniert schon lange, bevor sie das Schauspiel mit dem leicht quengelnd vorgetragenen Wort Aaaaarm! untermalen können. Unsere Tochter etwa, das Goldkindtm, hat ganz ohne fremde Hilfe ein Zeichen für Gib mir mal den verdammten Schnuller entwickelt. Dazu legt sie einen Arm ans Ohr und die Hand auf den Kopf, ganz als wollte sie diese Bewegung machen, mit der man früher geprüft hat, ob Kinder schon schulreif waren — wer mit dem Arm über den Schädel das Ohr auf der anderen Seite ergreifen konnte, war reif für höhere Bildungsweihen. Absurd. Aber so waren die Zeiten damals, als man noch keine Computergestützten Einstufungstests machen konnte.

Hmmm, ich schweife ab. Also, das Goldkindtm kommt natürlich nicht ans andere Ohr, sie soll ja auch erst 2014 in die Schule. Aber sie macht die Bewegung immer, wenn sie den Schnuller will, wobei sie aber noch den Kopf zum Arm dreht. Und wir, freudig erregt über jedes deutbare Zeichen, denn es gibt ja auch genügend Gelegenheiten, wo man ums Verrecken nicht weiß, was das Wechselbalg will, eilen uns, ihr den Nuckel in den Mund zu stecken. Mission accomplished, Elterndressur gelungen. Es hat uns aber ein paar Tage der Beobachtung gekostet, herauszufinden, wie die Kleine überhaupt auf diese merkwürdige Bewegung kam: Wenn der Schnuller noch im Mund war, durch allzu energische Zungenbewegungen oder die generelle Tücke der Schwerkraft aber herauszufallen drohte, ließ sich mittels Drehen des Kopfes und Andrücken des Nuckels mit dem Arm zuweilen eine Stabilisierung der Lage erreichen. Das verselbständigte sich dann über die Zeit zu einem abstrakten Zeichen. Schräg, irgendwie.

Kinder sind komisch.