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Zum Mörder könnte man werden

by Gunnar on 18. Dezember 2012 · 16 comments

Herr Kaliban steht in einer überfüllten S-Bahn, nahe der Tür. Die Bahn fährt nicht los. Möglicherweise liegt das daran, dass Herr Kaliban einen Fuß in der Lichtschranke hat.

Fahrer: 22 Minuten sind wohl noch nicht genug.
Herr Kaliban: …
Fahrer: (schreit) 22 MINUTEN SIND WOHL NOCH NICHT GENUG, WAS?
Herr Kaliban: Sprechen Sie mit mir?
Fahrer: (Schaum vor dem Mund) 22!!! MINUTEN!!! VERSPÄTUNG!!!
Herr Kaliban: (nimmt den Fuß aus der Schranke, was eine Wellenbewegung bis in den hinteren Zugteil auslöst)
Fahrer: (Schaum vor dem Mund) 22!!! MINUTEN!!! VERSPÄTUNG!!!
Herr Kaliban: (ruhig) Ja doch, tut mir leid. Ich mache das ja nicht mit Absicht, hier ist eben wenig Platz. Sagen Sie’s doch einfach, anstatt mir die Verspätung vorzuwerfen.
Fahrer: (wird langsam ruhiger, fährt los) Ich sage das 1000 Mal am Tag. Können Sie mir glauben.
Herr Kaliban: Ja, schon recht.
Fahrer: Machen Sie mal meinen Job den ganzen Tag lang, da werden Sie zum Mörder.

Uh. Nun. Da hat er vielleicht nicht unrecht. Möglicherweise würde man.

Fahrer: (murmelt) Zum Mörder könnte man werden. 22 Minuten. Das geht alles nicht auf meine Kappe. Mörder.
Herr Kaliban: Äh. Gute Fahrt noch. (steigt hastig aus, ehe der Fahrer die Bahn möglicherweise aus Frust und Wut an der nächsten Weiche entgleisen lässt)
Fahrer: (murmelt) Zum Mörder könnte man werden. 22 Minuten. Das geht alles nicht auf meine Kappe. Mörder.