Vorbilder

Harmony in my Head

by Gunnar on 21. Januar 2008 · 8 comments

henry rollins, live in münchen, muffathalle

Mein Verhältnis zu Henry Rollins war lange, nun, zwiespältig. Eigentlich. Ich habe ihn mit der Rollins Band 1992 das erste Mal gesehen, auf dem, ahem, Dynamo Festival in Hellendoorn. Fand die Show zu macho-haft, all dieses halbnackte Rumgehüpfe, und die Musik ein bisschen zu simpel. Hatte den Kerl dann jahrelang in der Schublade Tätowierter Muskel-Schreihals. Dass er auch Gedichte schrieb, Lesungen gab und ganz allgemein ein Wortkünstler ist, blieb mir aus irgendwelchen Gründen bis 1998 verborgen. Dann kam ich irgendwie an ein paar Aufnahmen von Hörbüchern (namentlich diesem:
Think Tank) und wurde, zögerlich, sowas wie ein Fan. Manches war mir zu viel, zu pathetisch, zu dick aufgetragen, anderes war brillant, authentisch, mächtig. Dennoch: Live gesehen habe ich ihn seit 1992 nie mehr, bis zum Juli 2007, aber das zählte nicht recht, das war nur eine Art öffentliches Gespräch.
Nun aber besuchte er München, allein, spoken word, und ich war da. Und was soll ich sagen, der erste Höhepunkt dieses Jahres. Und zudem einer, der nicht leicht zu übertreffen sein wird. Rollins sprach, stampfte, lachte, flüsterte, brüllte drei Stunden lang, direkt durch mich durch. Unglaublich. Erleuchtend. Die ganze Zeit wollte ich mir besonders gelungene Gedanken oder Sätze aufschreiben.

Rollins tritt heute in Berlin auf, in der Passionskirche. Und morgen im Gloria in Köln.

Wer nicht hingeht, ist selber schuld.