Waffen

Schützenfest

by Gunnar on 18. März 2009 · 18 comments

Mal ganz ehrlich, ich kann die Sportschützen im Grunde schon verstehen — die fühlen sich sicher so stigmatisiert wie wir Spieler: “Verdammt, jetzt sind wir schon wieder negativ in den Medien, weil ein Arschloch die Regeln gebrochen hat. Dabei gibt es Tausende und Abertausende von Sportschützen, die mit dem Hobby verantwortungsvoll umgehen. Sollen doch die Großkopferten lieber die ekeligen Killerspiele verbieten.”

Wobei allerdings der Verdacht naheliegt, dass in Wirklichkeit täglich Hunderte Schützen die Regeln zur Aufbewahrung von Waffen brechen und wir besser jeden Morgen dreiundzwanzig Avemaria als Dank beten sollten, dass nicht noch mehr passiert. Es ist ja mittlerweile einigermaßen belegt, dass Waffen im Haushalt irgendwie blöd sind — erhöhen nach einer US-Studie zum Beispiel signifikant die Selbstmordrate. Und auch Affektmorde passieren leichter, wenn man irgendwas zur Hand hat, was schießt. Wobei mir ohnehin unklar ist, warum man nicht Munition und Waffen stärker trennt: Waffen meinetwegen zuhause (die muss man ja vermutlich täglich bewundern), aber Munition nur im Schützenhaus.

Jedenfalls hat es mich ein bisschen gegruselt, als die SZ von heute die Möglichkeit aufzeigte, den Mann nicht zu belangen, weil er durch die Ereignisse schon genug getroffen sei. Das wäre eigentlich vertretbar, kein Mensch kann ermessen, wie Mutter und Vater K. sich fühlen müssen, aber die gesetzliche Strafe an sich hat mehrere Aspekte: Sie soll natürlich den Täter erziehen, aber sie soll auch eine Abschreckungswirkung auf andere mögliche Täter entfalten. Und auf die Gefahr hin, dogmatisch zu klingen — mir wäre es durchaus lieb, wenn Schützenbruder X. auf einen Kamillentee bei Schützenbruder Y. vorbeischneit, dessen offenen Waffenschrank sieht und mit Panik in der Stimme sagt: “Bist du verrückt, schließ den ab, dafür kannst du in den Knast kommen. Hast du nicht das mit dem Vater von Tim K. gelesen?”