Werbung

Helle Köpfe in der Werbung

by Gunnar on 30. Juni 2014 · 5 comments

Neulich, in der Werbeagentur:

Texter 1: Wir brauchen was mit “helles”, das Bier ist ja auch ein “Helles”.
Texter 2: Hmm. Heller Tag, dunkle Nacht, hellsichtig, hellhäutig, hell…
Texter 1: “All Hell breaks loose!” Mit so’nem Metaller und Pommesgabel und Bierflasche!
Texter 2: Das ist off-brand!
Texter 1: Spielverderber.
Texter 2: Hmm. Hellebarde, helldenhaft, helle Köpfe…
Texter 1: Helles Köpfchen! Das isses. “Nicht nur für helle Köpfchen”! Nun? Mit ner dunkelhaarige Tussi. Ein Bier, nicht nur für Blondinen. Super, oder? Auch inklusiv und so.
Texter 2: Welchen Sinn ergibt das? Und “helles Köpfchen” heißt nicht “blond”, sondern “clever”. “Nicht nur für clevere Leute” steht dann auf dem Bierdeckel.
Texter 1: Spielverderber.
Texter 2: Ach, ist schon Zeit zum Mittagessen, komm, ich zeig’s mal dem Kunden.

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Teddybären-Evolution

by Gunnar on 6. November 2012 · 9 comments

Die Geschichte einer Idee:

Der Designer Begemott stellte im Oktober 2006 ein hübsches Bild auf Deviant Art ein:

Daraus entstand ein kleines Meme, mit diesem hübschen Demotivation-Poster:

(1902 ist übrigens das Jahr, in dem der Teddybär erfunden wurde.)

Als ich das sah, dachte ich, huh, was für eine starke Metapher, dazu müsste man mal eine Geschichte schreiben oder ein Spiel machen. Es entstand eine kleine Gutenachtgeschichte, die ich meiner Tochter erzählt, aber nie aufgeschrieben habe und ein halbgares Konzeptchen für eine Art Tower-Defense-Spiel, in dem Monster Schienen legen, um mit ihren Zügen in die Träume der Kinder zu fahren und die Kämpfer von der Teddy-Bären-Liga die Schienen zerstören müssen. Oder so.

Offenbar haben einige Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg das Meme auch gesehen — und sich nicht mit halbgaren Konzeptchen begnügt. Sie haben es, unter der Regie von Denis Parchow, kongenial in einen TV-Spot für die Firma Steiff (das sind die Erfinder der originalen Teddybären) umgesetzt:

Sehr schön. Man hätte in den Credits vielleicht den Zeichner des ursprünglichen Bildes erwähnen können, aber das ist vermutlich ein bisschen viel verlangt. Andererseits könnte die Inspiration natürlich auch aus anderer Richtung kommen, kämpferische Teddybären sind kein häufiges, aber auch kein neues Motiv.

Strikefleet Menstruation

by Gunnar on 1. August 2012 · 8 comments

Da wird immer groß geredet über die Präzision von Online-Werbung, das genaue (Re-)Targetting, die Problematik des Einsatzes von sonstwo gesammelten Daten für maßgeschneiderte Werbung und so.

Im Alltag sieht das natürlich ganz anders aus: Mario Sixtus macht sich die ihn verfolgende über Treppenliftwerbung lustig, mir wird in einem Hardcore-Strategiespiel (das sicher über 90 Prozent männliche Spieler hat) ein Menstruationskalender angeboten:

Bizarr.

Naja, ist vielleicht auch ganz schön, dass Werbung auch in diesen Zeiten noch überwiegend fehlschießt.

Am Rande: Das Spiel auf dem Bild ist übrigens ganz toll, es heißt Strikefleet Omega, erhältlich für umme (F2P) im AppStore/Google Play. Erinnert vage an Homeworld, falls das noch wer kennt.

Agliophobia

by Gunnar on 3. März 2012 · 18 comments

Wenn man unversehens einen handschriftlich adressierten Brief bekommt, einen aufwändig beklebten zudem, dann gibt’s nur zwei Möglichkeiten:

1. Eine heimliche Verehrerin hat sich ein Herz gefasst und schickt mir einen Liebesbeweis aus Papier und Klebstoff.

2. Ich stehe noch irgendwelchen Journalisten- oder Gamesblogger-Listen und bin gerade von einer hippen Berliner Agentur für virales Marketing angeschrieben worden.

Hm. Naja, wir wissen ja alle, welches die wahrscheinlichere Lösung ist.

Im Brief liegt ein Zettelchen:

Irgendjemand fragt mich, ob ich nicht doch noch zuweilen Angst vor Monstern unter dem Bettt habe und unterschreibt mit “Der Herr Deiner Angst”.

Offenbar keine Verehrerin, naja.

Außerdem im Brief liegt ein mit grauem Mull überwickeltes Brettchen, auf dem eine Karte steckt:

Ganz hübsch- Hm, Agliophobie, das ist die Angst vor Schmerz. Bin nicht viel schlauer jetzt, aber es ist ja die übliche Masche, sowas mit einer kryptischen Sendung anzufangen und die Sache in einer zweiten Welle dann aufzulösen. Ich halte euch auf dem Laufenden, vielleicht ist es ja auch eine Drohung eines realen Geheimbunds oder das Werk eines Stalkers.

Update: Manu hat eine andere Karte bekommen, zur Coulrophobie (Angst vor Clowns).

Textideen from Hell

by Gunnar on 25. Februar 2009 · 7 comments

Der grassierende Wortspielwahnsinn in der Werbung wird mich noch in den Wahnsinn treiben. Wenn dabei Englisch und Deutsch gemischt wird, finde ich’s besonders schmerzhaft.

eilights[Aus einem Werbe-Newsletter-Spam-Zeug-Dings]

Schokolade in der Nacht

by Gunnar on 24. Februar 2009 · 4 comments

Vielleicht hat man die Yogurette, das ist eine Art Kinderschokolade für Frauen, nicht auf dem eigenen Verzehrplan. Vielleicht weil man als gewiefter Beobachter des aktuellen Jahrtausends nicht mehr glaubt, dass sich hinter »die schmeckt so himmlisch joghurtleicht« automatisch ein kalorienreduziertes, im weitesten Sinne gesundes Produkt verbirgt, sondern aus leidvoller Erfahrung weiß, dass gerade solche Nahrungsmittel zumeist besonders viel Wohlfühlfett (*) enthalten. Vielleicht mag man derlei süßes Zeug auch gar nicht, es gibt ja so Leute, denen die Süß-Rezeptoren fehlen und die immer, wenn sie Lust auf so Zwischendurchessen verspüren, zu Rohkost greifen. Freiwillig. Offenbar eine Laune der Natur. Naja, jedenfalls muss man kein Yogurette-Kenner sein, um sich, als Fernsehgucker der Späten Achtziger, an den Werbespruch »Manchmal stehe ich nachts auf und hole mir welche« (*) zu erinnern — ein teuflischer Im-Hirn-Festsetzer, der auch losgelöst von dem Schokoladenmischprodukt, für das er gemacht war, noch ewig in den Köpfen der Menschen umherflottierte und kostenbaren Speicherplatz belegte (*).

Jetzt aber, viele Jahre danach, kommt erst heraus, dass das keineswegs nur ein Textersprüchlein war, nein, die Werber haben offensichtlich auf ein Syndrom hingewiesen, eine Krankheit, die viele Menschen um den Schlaf bringt. Die Rede ist vom NES, ausgeschrieben Night Eating Syndrome (*) — offenbar gibt es alle möglichen Leute, die nachts zum Kühlschrank schlafwandeln, ein Stück Butter, zwei Eier mit oder ohne Schale und drei Deutschländer Würstchen auf bitterer Orangenmarmelade verdrücken, und wieder schlafen gehen. Morgens wundern sie sich, dass sie keinen Hunger haben, dass der Kühlschrank leer ist und dass noch Eierschalenreste in ihren Mundwinkeln kleben. Angeblich sind bis zu 3,3 Millionen Deutsche betroffen. Tragisch.

Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs — viele Personen in meinem Umfeld leiden an ähnlichen Symptomen, die aber bislang leider noch nicht als Krankheit anerkannt sind: M. steht nachts auf, um an einem Raid (*) teilzunehmen (Night Gaming Syndrome: NGS), U. erwacht um drei Uhr in der Früh zuweilen mit vorgezogener Morgenlatte (Night Masturbating Syndrome: NMS), A. setzt sich mitten in der Nacht ans Fenster und sinniert über ihre Beziehung zu diesem haltlosen Hallodri nach (Night Worrying Syndrome: NWS).

Und der arme G. schläft abends immer schon um 21:00 auf der Couch ein, wacht aber um zwei mit reduzierter Großhirnfunktion auf und tippt abstruse Texte über Schokolade und NES in sein WordPress-Fenster (Night Blogging Syndrome: NBS).

Ach, all die Schicksale hinter diesen harmlos klingenden Kürzeln. Da müsste die Politik mehr tun.

Donnerstagslinks

by Gunnar on 5. Februar 2009 · 4 comments

TEXT: Das nenne ich mal kreative Werbung. Ob’s wirklich zu Buchungen führt? ###

TEXT: Der Kutter schreibt sehr hübsch über Jakob Augsteins neues Spielzeug, den Freitag. Der jetzt dann DER FREITAG heißt. ###

TEXT: Facebook mag keine Fotos von stillenden Müttern. Man stillt schließlich mit BRÜSTEN! Und Brüste sind irgendwie ieh. ###

TEXT: Jetzt, wo ich leichtsinnig 800 geldwerte Punkte verbrannt habe, sagen mir die Kollegen, dass es Rotz ist. ###

TEXT: Herr Johnson vom Guardian hat soziale Netzwerke erstmal satt. Und begründet auch, warum. ###

TEXT: Alex St. John, Ex-Microsoft, Ex-WildTangent, sagt das Ende der Videospielkonsolen voraus. ###

TEXT: Eine sehr grafische Zeitreise durch statistische Daten über Haushalte in den USA. Schön gemacht. ###

BILD: Catch 22-Probleme im Alltag — um diese Packung zu öffnen, braucht man leider das, was drin ist. ###

BILDER: Handarbeitsartikel für Nerds. Der Hammer! Nicht den Guitar-Hero-Schal auf Seite 2 übersehen. ###

BILDER: Die Walkmen der möglicherweise nicht allzu weit entfernten Zukunft. ###

BLOG: Der Holocaust-Leugner Williamson (gerade frisch vom Papst ex-exkommuniziert) hat eine Art Blog. ###

Mr Werbung makes you his bitch

by Gunnar on 17. Oktober 2008 · 1 comment

Werbung

Gesehen in München-Haidhausen, Steinstraße.

Ich hätte den Sticker ja eher auf ein Reklameplakat geklebt.

Was ist Werbung?

by Gunnar on 20. September 2008 · 7 comments

Ein Erklärungsversuch in einfachen Worten.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der anderen Seite des Raumes. Du gehst zu ihr und sagst: Hallo, ich bin großartig im Bett, wie wär’s mit uns?
Das nennt man Direct Marketing.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der
anderen Seite des Raumes. Du gibst einer Freundin einen Zehneuroschein. Sie steht auf und sagt: Hallo, mein Freund dort hinten ist großartig im Bett, wie wär’s?
Das ist klassische Werbung.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der
anderen Seite des Raumes. Du gibst Freundin A einen Zehneuroschein. Sie gibt Freundin B 8,50 Euro. Freundin B steht auf und sagt: Hallo, mein Freund dort hinten ist großartig im Bett, wie wär’s? Dann geht Freundin A nochmal bei Freundin B vorbei, redet über die Transaktion und fordert 0,50 Euro Kickback.
Das ist klassische Werbung in Deutschland.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der
anderen Seite des Raumes. Du gibst zwei Freundinnen von dir einen Zehneuroschein, damit sie sich in Hörweite des Mädchens stellen und darüber sprechen, wie großartig du im Bett bist.
Das nennt man Public Relations.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der
anderen Seite des Raumes. Du erkennst sie wieder. Du gehst zu ihr rüber, frischst ihre Erinnerung auf und bringst sie zum Lachen. Und dann wirfst du ein: Hallo, ich bin großartig im Bett, wie wär’s mit uns?
Das ist Customer Relationship Management.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der
anderen Seite des Raumes. Du gibst einem Freund einen Zehneuroschein, der gibt ihr einen Glückskeks. Sie öffnet ihn, drin ist ein Zettel, auf dem steht Willst Du wissen, wer großartig im Bett ist? Geh zum Buffet. Sie geht zum Buffet. Dort stehst du und grinst sie wissend an, einen Glückskeks in der Hand.
Das ist virales Marketing.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der anderen Seite des Raumes. Du ziehst deine tollen Klamotten an, läufst herum und spielst Mr. Beschäftigt. Du setzt dein bestes Lächeln auf, läufst herum und spielst Mr. Sympathisch. Du hörst allen Frauen zu und spielst Mr. Höflich. Du unterhältst dich mit sanfter und weicher Stimme, du öffnest die Tür für alle Frauen, du lächelst wie ein Traum, du verbreitest eine Aura um dich herum, du spielst Mr. Gentleman. Dann gehst du zu dem Mädchen und fragst: Hallo, ich bin großartig im Bett, wie wär’s mit uns?
Das ist Hard Selling.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der anderen Seite des Raumes. Sie kommt herüber: Hallo, ich habe gehört, dass du großartig im Bett bist, wie wär’s mit uns?
Und das, sehr geehrte Damen und Herren, ist die Kraft der Marke.

Keine Ahnung, wer das geschrieben hat. Älteres Internet-Fundstück, leicht überarbeitet und um ein paar Punkte ergänzt von mir. Hinübergerettet von kaliban.org, wo ich’s bislang aufgehoben hatte.

Ergänzung von Fabian:
Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der anderen Seite des Raumes. Du gehst zu ihr rüber, erzählst ihr, wie erfolgreich du im Job bist und dass du Sex die ganze Nacht über kannst.
Das ist… …irreführende Werbung, und die ist in Deutschland gesetzlich verboten.