Wetter

Regen!

by Gunnar on 21. Juni 2010 · 10 comments

Regenschirmvölker reden gerne über das Wetter, heißt es. Herr Kaliban wohnt in einem Regenschirmland, interessiert sich eigentlich nicht für das Wetter, weil es im Internet ja nicht regnet.

Allerdings gehört zu den Problemen der Kinderaufzucht, über die man ja im Vorhinein nur unzureichend informiert wird, die Tatsache, dass man bei Regen meistens drinnen bleibt. Mit der ganzen Familie. Und drinnen, das ist ein Ort, dessen Attraktionen sich einigermaßen schnell erschöpfen. Das Kind wird also ob des unterdurchschnittlichen Freizeitangebotes nörgelig, will dauerbespielt werden und treibt die Eltern in die nervliche Zerrüttung. Obendrein schläft es ohne ordentlichen Auslauf weniger und isst schlechter, was Eltern immer frustriert. Nicht-Eltern können übrigens nicht begreifen, wie befriedigend es ist, wenn man sein Kind dazu bringt, den Teller mit Freude leerzuessen. Endlich, nach all diesen Jahren, kann ich verstehen, warum es meiner Oma immer so ein Anliegen war, dass ich noch mal fünf Kartoffelpuffer Nachschlag nehme.

Gruselig, diese Tradierung von falschen Essgewohnheiten über die Generationen. Aber egal, irgendwann…

… muss man dann doch raus. Und holt sich folgerichtig eine mittlere Lungenentzündung, weil man als urbane Yuppie-Familie natürlich das Kind perfekt wettersicher ausrüstet, die Eltern selber aber aus Eitelkeit mit der leichten Trendjacke vor den Tür gehen.

Ach, vor den Tücken der Kinderaufzucht wird zu selten gewarnt.

Herbstblinken

by Gunnar on 17. Oktober 2009 · 17 comments

Herbst

Der Spaziergang, der mit diesem niedlichen Foto begann, endete übrigens in Tränen. Und das wegen einer Sache, auf die man in den Elternratgebern nie vorbereitet wird: Wir passierten gerade den Taxistand am Prinzregententheater, da klingelte die Taxirufsäule, weil ein Taxi bestellt wurde. Die Säule, deren Schicksal es ist, die Aufmerksamkeit von abgestumpfen Taxifahrern erregen zu müssen, begleitete das Klingeln mit einem aufgeregten gelben Lichtsignal. Das Goldkindtm hat nun aber seit jeher eine Schwäche für alles, was Blaulicht ähnelt und blieb bei diesem Anblick sofort wie angewurzelt stehen. Und wartete auf das nächste Lichtsignal. Und wartete. Und wartete. Aber offenbar brauchte niemand in Bogen- oder Haidhausen ein Taxi. Ich wollte gerne nach Hause, und es entfaltete sich ein verzweifelter Dialog:

Goldkind: “Blink! Tüta! Taxi!”
Herr Kaliban: “Hey, das Blinken ist weg. WEG! Und wir gehen nach Hause!”
Goldkind: “Blink weg?”
Herr Kaliban: “Jaja: weg. Morgen kommt wieder ein Blink, versprochen. Los, wir gehen heim.”
Goldkind: (hält sich an einem Zaun fest, zeigt zum Taxistand) “Blink! Tüta! Angucken!”
Herr Kaliban: “Komm, wir gucken das ein andermal an. Kommt Zeit, kommt Blink.”
Goldkind: (zunehmend verzweifelt) “BLINK! BLINK! Angucken!”
Herr Kaliban: “Das Blinken hat aufgehört. Es ist WEG!”
Goldkind: “Blink weg?”
Herr Kaliban: (zieht am Goldkind) “Genau: weg. Komm, willst du eine Brezn?”
Goldkind: (hält mit Armen und Beinen einen Laternenmast umklammert) “BLINK! Angucken! Tüta! Taxi!”

Und so weiter. Noch Stunden später, nach dem Essen und dem Baden und dem Eincremen und dem Verlesen der Zoo-Abenteuer von “Bobo Siebenschläfer” (6x) und dem Kuscheln und dem Füttern der rothaarigen Puppe und dem Streicheln der Tigerkatze und dem Hören von “So ein schöner Tag” (3x) und dem Ringkampf um die Herrschaft über das iPhone und dem Verlesen der Supermarkt-Abenteuer von “Bodo Siebenschläfer” (4x) und all den anderen Sachen kam das Thema “Blink!” immer wieder auf den Tisch. Das Kind ist offenbar in seinem Innersten getroffen.

Nächstes Mal nehmen wir beim Spaziergang einen Umweg.

Ogott

by Gunnar on 21. November 2008 · 8 comments

Schnee.

Jetzt schon.

Von wegen “nördlichste Stadt Italiens”, gerade sieht’s eher aus wie die westlichste Stadt Sibiriens.