Wünsche

Ich wünsche mir zuvörderst, dass 2009 in großen Mengen Hirn vom Himmel fällt, unseren Wirtschaftsführern und Politikern und Medienmanagern in die hohlen Schädel. Diese Krise von 2008 hat ja eines mal wieder erwiesen — auf ziemlich vielen verantwortlichen Positionen, an Schlüsselstellen mit ausreichend Potenzial Unheil anzurichten, sitzen mittelmäßige Flachpfeifen, welche die verschärfte Form von repräsentativem Eierschaukeln, die sie Tag für Tag betreiben, schon für einen richtigen Job halten. Die ihre virtuellen Welten aus Golf, Gadgets, Vielfliegermeilen, Telefonkonferenzen, Bonuszahlungen und den Titten der Sekretärinnen für die richtige Welt halten. Die ihre kleinen Entscheidungen treffen wie Straßenbahnschaffner Tickets abknipsen, mit den bewährten Methoden von gestern und vorgestern und vorvorgestern. Nur dass die Entscheidungen eben zuweilen enorme Auswirkungen haben. Aber das ist ja nicht zu ahnen, wenn man keine Fantasie hat.

Ach.

Ich wünsche mir, dass Gott mir mehr Gelassenheit schenkt oder besser doch nicht — was soll ich mit Gelassenheit? Gelassenheit ist was für Menschen ohne Herz. Ich wünsche mir eher, dass Gott mir den soliden Herzmuskel, den stabilen Magen und das drahtseilige Nervenkostüm schenkt, das ich brauche, um mit meiner sensibel-cholerischen Persönlichkeitsstruktur klarzukommen.

Und ich wünsche mir, dass einige Wörter verschwinden, darunter auch einige, die ich selber zuweilen sage, was natürlich kein gutes Licht auf meinen Willen zum Guten, Schönen und Wahren wirft, also Wörter wie Wording, Wellness, Content, bullish (sagt jetzt eh keiner mehr), Sowieso to go, Reputations-Management und noch viele mehr, die mir gerade nicht einfallen wollen, aber wenn man sie sieht, wird man sie erkennen, da bin ich ganz sicher.

Und wo wir gerade beim Verschwinden sind, ich wäre aus rein ästhetischen Gründen froh, wenn blaue Hemden mit weißen Krägen verschwinden würden und Pop-Under/Pop-Up-Werbespamfenster und diese absurde Reklame auf den Toiletten von Autobahnraststätten und Casting-Shows und das deutsche Fernsehen ganz allgemein und Lance Armstrong und Bugs in PC-Spielen und Leute, die sich in Zügen die Fußnägel schneiden und der Kölner Aufruf samt Unterzeichnern und, ogott, jetzt gerate ich beim Wünschen in eine Art Strudel.

Themawechsel.

Ich wünsche mir, dass 2009 die SPD ein bisschen, wenigstens ein kleines bisschen, Würde zurückgewinnt. Es müssen ja keine Wahlen sein, nur ein wenig Würde.

Und ich hätte gerne ein paar neue Bücher von George R. R. Martin. Und gerne auch von David Gerrold, aber da habe ich die Hoffnung aufgegeben. Und eine Scheibe von Hot Water Music, aber nicht wieder so eine Sammlung von B-Seiten und B-Songs, sondern ein richtiges Album.

Im Sinne vieler Kollegen wünsche ich mir, dass die Printauflagen deutscher Magazine und Tageszeitungen ein wenig langsamer zusammenbrechen als in den vergangenen Jahren, natürlich mit Ausnahme von Produkten, die eh kein Mensch braucht, wie Focus, PC Games oder Junge Freiheit. Ahem. Vor allem sollen meine Lieblingsmagazine (neben GameStar und GamePro sind das 11Freunde, Brand Eins, GEE und Effilee) das kommende und auch noch viele weitere Jahre gut überstehen.

Ein paar gute Spiele würden mir das Jahr auch erhellen, etwas ähnlich Gutes wie Fallout 3 vielleicht? Oder ist das zu viel verlangt? Dann wenigstens weitere Spiele wie Professor Layton und das geheimnisvolle Dorf, was fast schon mein zweitliebstes Spiel im abgelaufenen Jahr war. Eine gute Grundversorgung an Solo-Rollenspielen wäre mir weiterhin wichtig, MMORPGs können mir weiterhin gestohlen bleiben.

Und Gesundheit für meine Familie und gerne auch für mich. Und Weltfrieden. Und Sonnenschein. Und sauberes Wasser, vernünftige Mitmenschen und mehr Gutes, als die schlechten Menschen ertragen können.

Und vielleicht steigt ja dann doch endlich Jesus aus seinem Sternenschiff herab, um die Gerechten zu retten.

Zwei-Null-Null-Sieben

by Gunnar on 31. Dezember 2006 · 15 comments

Ich wünsche mir mehr Hirn bei den Medienschaffenden, weniger schiere Idiotie in der Politik. Es wäre nett, wenn die Spex dieses Jahr überlebt und das Experiment mit der Rückkehr der Tempo nicht wiederholt wird. Den Wissenschaftlern, die sich in der “Killerspiele”-Debatte blamiert haben, mögen (Achtung! Symbolik!) die Zeigefinger verdorren. Ich möchte, dass Gott mir 2007 mehr Gelassenheit schenkt. Und dass mir die rapide ergrauenden Haare nicht auch noch ausfallen. Eine milde Aufwärtsbewegung der Auflage von GameStar würde mir schon aus ästhetischen Gründen gefallen. Ich wünsche mir zudem, dass mehr Sciencefiction-Filme in die Kinos kommen, gerne auch mit Dialogen statt Explosionen und dass irgendwer endlich Ender’s Game verfilmt. Dankbar wäre ich auch für eine neue Staffel von Firefly, aber das ist wohl ein bisschen viel verlangt. The Draft sollen eine neue Platte machen und diese ganzen alten Metalbands mit dem Plattenmachen aufhören.

Die Amerikaner könnten bitte den rechtlosen Zustand von Guantanamo endlich beenden und Herrn G.W. Bush an die Taliban ausliefern. Im Gegenzug müssen die radikalen Islamisten der Welt eine Woche lang Frauenkleider tragen und dem Gebrauch von Raketenwerfern abschwören. Ich wünsche mir weiterhin, dass durch Einwirken kosmischer Strahlung der durchschnittliche IQ der Deutschen um 3 Punkte steigt, was vermutlich reichen würde, um die ganzen elenden Mitmach- und Shoppingsender zu ruinieren, weil das Publikum plötzlich intellektuell erfassen könnte, wie stumpf das alles ist. Dass dann möglicherweise auch andere Produkte mit der Zielgruppe “Vollpfosten” eingehen würden, na, das wäre ein netter Nebeneffekt.

Ich wünsche dem bekloppt benannten Wii alles Gute, weil Nintendos Mut belohnt gehört, auch wenn es ein bisschen frech ist, mit der gefühlten Grafikleistung des N64 ins Rennen zu gehen. Von den mir näher stehenden PC-Spieleschaffenden wünsche ich mehr Respekt für den Kunden, der die ganze Sache schließlich am Laufen hält.

Ganz andere Sache: Gesundheit hätte ich auch noch gern, eimerweise, für meine Freunde, meine Katzen, meine Frau und mich. Muss man ja in meinem Alter schon mal dran denken. Ich würde es überdies begrüßen, wenn Uwe Schünemann eine Warze auf der Nase wachsen würde, eine dicke mit drei schwarzen Haaren drauf. Eine dauerhaft unbehandelbare zudem.

A pro pos unbehandelbar: Ein Zauberer soll vom Himmel fallen und irgendwie den absurden Schlamassel auflösen, den unsere “Regierung” bei der Gesundheitsreform angerichtet hat. Fast ebenso wichtig: Meine Frau möge bitte weniger Bejeweled 2 und mehr richtige Spiele spielen. Jaja, und Weltfrieden, ein Ende der Umweltverschmutzung und dass endlich die gütigen Aliens Kontakt aufnehmen.

Ein schönes 2007 uns allen. Guten Rutsch.

Ach und außerdem habe ich noch drei geheime Wünsche, die nix für die Öffentlichkeit sind: ***. Mögen sie in Erfüllung gehen.