Xbox 360

Liebe Xbox 360 ❤ (ein offener Brief)

by Gunnar on 20. Juni 2013 · 79 comments

Meine liebe 360,

Als ich neulich mit der Liebe meines Lebenstm sprach und ihr alles über deinen Nachfolger erzählte, das mit dem DRM und der Gebrauchtspielrestriktion, dem Online-Zwang, der ewig wachen Kamera (und den theoretischen Implikationen davon), dem ganzen Konzept als Wohnzimmer-Hub, den man per Stimme anschaltet, einer Konsole, die darauf gebaut ist, ständig im Netz, ständig am Strom zu sein, da…

… entfaltete beim Erzählen sehr deutlich das Bild einer Firma, die ein teures Entertainmentgerät entlang einer sehr eigenen, sehr amerikanischen Philosophie baut, einer Philosophie, in der Stromverbrauch keine Rolle spielt, in der Indie-Games keine Rolle spielen, in der Privatheit keine Rolle spielt, in der es überhaupt viel mehr um die Eroberung von Räumen, meinetwegen des oft zitierten Wohnzimmers, geht als um Games und die Gamer. Was besonders schade ist, da deine Erbauer mit dir, liebe 360, eigentlich den Eindruck erweckt hatten, für etwas anderes zu stehen – Xbox Live inklusive Arcade war ein Wunder der digitalen Welt, XNA war ein Startpunkt für viele angehende Spieleentwickler. (Und die Firma mit der “falschen Philosophie”, das war doch immer Sony, Vorreiter in Sachen DRM und sinnloser Konvergenz mit proprietären Formaten. Eine PS3, deine dunkle Schwester, habe ich daher nie gekauft, trotz Heavy Rain, Journey oder The Last of Us.)

Meine Frau hörte mit halbem Ohr zu und sagte am Ende meiner Tirade, äh, die kaufen wir aber nicht, oder? Ich will nicht so ein passiv-aggressives Ding im Wohnzimmer haben, das immerzu Strom verbraucht und auf das Einschaltkommando wartet wie ein Hund auf das Wort Gassi.

Nein, Schatz, die kaufen wir nicht.

Und dann: Warum machen die das eigentlich? Die 360 war doch toll.

(Hörst du, liebe 360, sie gibt es zu!)

Ich weiß auch nicht, warum die das machen.

Aber die möglicherweise dahinter stehende Haltung ist mir derart unsympathisch, dass Microsofts öffentliches Zurückrudern nichts ändert. Die Xbox One kommt mir nicht ins Haus, basta.

Aber du darfst natürlich bleiben, liebe 360, dein

Gunnar

P.S. Ach, und noch was. Keine Angst, liebe 360, das heißt noch lange nicht, dass ich eine PS4 kaufe.

»I’m a little bored of movies.«

by Gunnar on 19. Juli 2012 · 5 comments

Gerade beim Stöbern in alten Fotoarchiven wiedergefunden: ein von mir leider exzeptionell schlecht fotografiertes historisches Dokument. Aber hey, es war acht Uhr morgens in Barcelona, am Tag nach der Party, ich war müde. Von links nach rechts sind zu sehen: Peter Molyneux (seinerzeit Lionhead), Greg Zeschuk (Gründer von Bioware) und Peter Jackson (Regisseur von Herr der Ringe). Die sind vor knapp sechs Jahren (im September 2006) auf einem Event von Microsoft aufgetreten, weil Jackson damals gerade sein Games-Studio Wingnut Interactive gegründet hatte, um, wie er sagte, neue Formen des Geschichtenerzählens zu explorieren.

»”From a movie-maker’s point of view, it is clear to me that the Xbox 360 platform is the stage where storytellers can work their craft in the same way they do today with movies and books but taking it further with interactivity.”« sagte er. Und: »I’m a little bored of movies.«

Hatte das schon fast wieder vergessen, aber jetzt, sechs Jahre später, weiß man, was passiert ist: nichts. Das angedachte Spieleprojekt im Halo-Universum ist gescheitert, die Firma gibt’s nicht mehr. Jackson macht, was er immer macht: Filme.

Schade, eigentlich. Oder Gottseidank?

[Für historisch Interessierte: IGN hat ein komplettes Transkript des Gesprächs; bei MSXboxWorld gibt’s auch ein Video.]

Herr Kaliban ärgert sich über ein altes Problem, das er mit aus dem Amerikanischen übersetzten Unterhaltungsprodukten immer wieder hat.

[click to continue…]

Besuch in Bright Falls

by Gunnar on 13. Mai 2010 · 14 comments

Herr Kaliban hat ein Videospiel gespielt. Auf der Xbox 360.

Seit ich nicht mehr vor dem Frühstück mehr Spiele spiele als andere Leute in einer ganzen Woche, scheint mein früher breit gefächterter Games-Geschmack auf einer bestimmten Schiene einzurasten. Ich brauche offenbar, stärker als früher, eine angenehme Mechanik, eine halbwegs konsequent erzählte Story mit wenigstens in Ansätzen vorhandener innerer Konsistenz und ein bisschen Willen zu einem geschlossenen Stil. Ansonsten bin ich die ganze Zeit genervt, auch wenn das betreffende Spiel grundsätzlich okay ist. Dementsprechend konnte ich zum Beispiel Dragon Age nur schwer ertragen (Das alberne Leichendurchsuchen! Die brennenden Schwerter auf den Rücken! Das sinnlos spritzende Blut!), habe aber Mass Effect 2 geliebt (Die Gespräche! Die Gesichter! Keine Inventarhangelei!), obwohl es natürlich eine Reihe von Dingen gibt, die man an Dragon Age loben und an Mass Effect 2 kritisieren könnte.

So ist das auch beim soeben von mir durchgespielten Alan Wake: Es gäbe allerlei Kinkerlitzchen zu bekritteln, wenn man das wollte, aber alle kleinen Macken passen irgendwie zum Spiel. Und hey, gute Dialoge, eine bis zum Ende tragende Idee, eine brillante Kampfmechanik, eine Handlung mit innerer Logik, tolle Musik — was scheren mich da ein paar störende Details? Spiele wie Alan Wake werden zu selten gemacht, die muss man nehmen wie sie kommen. Das Ding liegt bisher in diesem Jahr auf meiner persönlichen, von Testnoten in Spielemagazinen unbeeinflussten, Hitliste auf Platz 2, hinter Mass Effect 2, natürlich.

Falls jemand sich mit dem Gedanken trägt, dieses Spiel zu erwerben, meine Special Edition stünde zum Verkauf — ich hab’s ja schon durch (gut mitgedacht von Microsoft, das vor dem Feiertag rauszubringen). Kostet 50 Euro inklusive Versand, Interesse bitte über’s Kontaktformular anmelden.

Dass es so enden musste…

by Gunnar on 5. Januar 2010 · 23 comments

Eine kurze Ereiferung, in welcher der Autor in eindringlicher Weise beschreibt, wie traumatisch es für ihn war, seinen Account bei Xbox Live zu kündigen.

xbox_live_originalDie Xbox 360 und ich, wir stehen grundsätzlich auf gutem Fuß. Ich verwende sie dieser Tage als primäre Spieleplattform und gucke sogar DVDs mit ihr, seit mein DVD-Player in den Siebten Kreis der Maschinenhölle hinabgestiegen ist, diese spezielle Hölle für Geräte, die kurz nach der Garantiezeit kaputtgehen. Und das großartige Xbox Live nutze ich gefühlt seit Anbeginn aller Zeit. Mit Abo und automatischer Abbuchung. Nun aber, in der Besinnlichkeit des Jahreswechsels, fiel mir in der Rückschau ein, dass ich 2009 eigentlich gar nicht mehr auf Xbox Live Multiplayer betrieben habe. Und auch sonst keine der Funktionen in Anspruch genommen habe, welche die kostenlose “Silber”-Variante von der elitären “Gold”-Version unterscheiden.

Naja, dachte ich mir, da kann ich ja einfach mal 60 Euro sparen und den kostenpflichtigen Account kündigen oder herabstufen oder sowas. Die entsprechende Funktion suchte ich, der schlichten Logik des Konsumenten folgend, innerhalb von Xbox Live, in den Einstellungen für meine Mitgliedschaft. Dort z.B., wo man auch das Gegenteil tun kann, nämlich das Abo verlängern. Wie dumm von mir. Das wäre ja zu einfach. Natürlich kann man einen so folgenschweren Schritt ausschließlich vermittels eines Anrufs bei der Hotline durchführen. Da meine Erfahrungen mit Hotlines im Allgemeinen nicht so sind, dass ich mich dieser Tortur freiwillig aussetzen möchte (und andere Leute speziell mit der Microsoft-Hotline so ihre Erlebnisse hatten), suchte ich nach einer alternativen Möglichkeit.

Microsoft selber gibt auf xbox.com den Link www.xbox.com/live/accounts an, hinter dem sich angeblich Informationen verbergen sollen. Der führt aber erstmal zur Login-Schranke. (Anmerkung: Ich wechsele an dieser Stelle meiner Erzählung aus dramaturgischen Gründen aus dem Präteritum ins Präsens.) Grmpf. Wo sind meine Daten nochmal, die habe ich seit Jahren nicht benutzt? Ah, hier, eingegeben, weiter. Nun bin ich auf meiner “Kontozusammenfassung”. kontozusammenfassungNichts Spektakuläres hier zu sehen. Ich nutze mal besser die Site-Suche. Keine brauchbaren Informationen. Gar keine. Wie kann das sein*? Ich gehe zurück zum Konto und mit der bewährten Sherlock Holmes-Methode (“Wenn man alles Unmögliche ausschließt, muss das, was übrig bleibt, und sei es auch noch so unwahrscheinlich, die Wahrheit sein”) schaffe ich es, herauszufinden, dass sich das Gesuchte unter dem Tarnnamen “Mitgliedschaftsstufe” verbergen muss. Aha. Doch auch hier kann ich eigentlich nur wählen, ob ich meine Gold-Mitgliedschaft monatlich, jährlich oder quartalsweise zahlen möchte. Nichts zu sehen von Kündigung, Downgrade oder… halt!… wenn man genau hinschaut, sieht man, dass in der Zeile “Automatische Verlängerung: EIN” das Wort “EIN” verlinkt ist. Das muss es sein.

Ich zittere ein wenig vor Aufregung, als ich klicke. Es folgt ein kleiner Text der Machart “Wir opfern morgen Satan vier Kätzchen, weil Sie uns mit dieser Kündigung dazu gezwungen haben” und ein paar Reihen Bildchen mit Xbox Live-Werbung. Ist es getan? Ich klicke sicherheitshalber ein bisschen herum. Hm. Wenn ich zurück in die “Zusammenfassung” gehe, wird mir immer noch “Automatische Verlängerung: EIN” angezeigt. Ich wiederhole den Vorgang. Und nochmal. Nichts. Das “EIN” ist immun. Ich laufe ein wenig im Kreis, schreie ein bisschen vom Balkon in den Innenhof, nehme zwei Herztabletten. Dann probiere ich es nochmal. Diesmal fällt mir auf, dass sich unter der Werbung, rechts, am Ende der Seite, ein kleiner, blasser, durch nichts hervorgehobener Button an den Rand duckt. “Weiter” steht darauf. Ah, ich war noch nicht fertig mit dem Ausschalten der Verlängerung. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Auf Seite 4 schließlich entlässt mich der gnadenlose Microsoft-Vertrieb aus seinen Klauen und bestätigt, dass meine “Gold”-Mitgliedschaft enden wird, nicht jetzt, aber in wenigen Monaten, wenn mein im Voraus gezahltes Geld aufgebraucht ist.

Kann ich auch sofort aufhören, den Service zu nutzen und mein Geld zurückbekommen? Wie, sagen wir, bei einem Zeitschriftenabo?

Das HTML schweigt.

Im Nachgang schickt mir Microsoft dann noch eine surreale Mail, in einer Sprache, die so ähnlich wie Deutsch klingt:

Sehr geehrte(r) Herr Kaliban, Ihr Abonnement für Xbox Live 12-monatige Gold-Mitgliedschaft läuft am Donnerstag, 8. April 2010 ab. Um eine mögliche Unterbrechung Ihres Abonnementdiensts zu vermeiden, erneuern Sie bitte Ihr Abonnement bis zum Donnerstag, 8. April 2010. Um eure Xbox LIVE-Mitgliedschaft zu verlängern, stattet ihr der Webseite www.xbox.com/extendmembership einen Besuch ab und folgt den Anweisungen. […]
Falls Sie Ihr Abonnement bereits verlängert haben, möchten wir uns hierfür bei Ihnen bedanken.
Vielen Dank, dass Sie sich für Microsoft Online Services entschieden haben.
Xbox LIVE-Team

Huh? Habe ich mich nicht eben mit voller Absicht GEGEN die Verlängerung dieses Services entschieden? Und was denn nun, “Du” oder “Sie”? Der verwirrte Verfasser vermutet offenbar, ich hätte meine Mitgliedschaft wohl versehentlich gekündigt. Logisch eigentlich, Microsoft kann ja, bei all den Steinen, die sie einem in den Weg legen, nicht annehmen, es sei mir gelungen, absichtlich zu kündigen. *Seufz*

Liebe Damen und Herren aus Redmond und Unterschleißheim, so wird nichts mit der Weltherrschaft. Wer will, dass der Kunde ihn achtet und auf Meinungsäußerungen qua länglicher, von negativen Schwingungen durchzogener Blogeinträge verzichtet, der muss auf seine Systemchen ein klitzekleines bisschen Liebetm draufstreuen. Anders geht das nicht mehr, heutzutage, in der facebookisierten Weitertratschgesellschaft.

* Ist ja klar, Microsoft verwendet in der eigenen Sprache das Wort “Kündigung” nicht, sondern spricht immer nur von der “Nichtverlängerung der Mitgliedschaft”. Da kann die Suche ja nichts finden.

NXE? NIX!

by wir on 20. November 2008 · 5 comments

Das links ist mein Avatar bei NXE, dem Neuen Xbox Erlebnis. Mal abgesehen davon, dass ich vielleicht im Avatar-Erstellen nicht den Hauptteil meiner Talentpunkte ausgegeben habe, so ist das ganze doch eine ziemlich unspektakuläre Angelegenheit — wo sind die Roboter, die Aliens, die Werwölfe, die Comicfiguren, die Superhelden, wo ist die ganze Vielfalt der bisherigen Bildchen? Verstehe nicht, warum MS so eine Chance verschenkt, endlich mal wieder cool zu sein. So sieht das aus, als habe man einfach die Mii mit mehr Details nachgeahmt.

Kleinster gemeinsamer Nenner. Doof.

Ach, ehe die Frage kommt, eine richtige Meinung zur neuen Oberfläche habe ich noch nicht. Spontan finde ich sie erstmal doof, auch weil mein sorgfältig gewähltes Hintergrundbild jetzt durch eine graue Ebene halbiert wird, aber traditionell revidiere ich meine Ansichten über Interfaces nach längerer Benutzung. Wenn der erste Schock über die Veränderung verdaut ist.

Also mal gucken.

Archon Order Paradroid

by Gunnar on 20. Februar 2007 · 14 comments

Wie alle Xbox 360-Besitzer habe ich, zu der Zeit als kaum vernünftige Vollpreisspiele erhältlich waren (also eigentlich vom Launch bis jetzt), ständig Arcade-Games gespielt: Time Pilot, Poker, Zuma, Small Arms, Uno (uh!), Bejewelled, all das Zeug. Nettes Zwischendurchfutter, obwohl es irgendwie pervers ist, auf einer HD-fähigen Konsole Spielchen im 80ies-Look zu betreiben.

Was mir aber zu meinem Glück fehlt, sind Umsetzungen meiner alten Heldenspiele: Warum nicht Paradroid neu auflegen, das Spielprinzip ist bekanntlich kugelfest; auch über, kennt das noch wer, Mail Order Monsters* würde ich mich freuen, das passt ja auch gut in die Pokémon-Zeit. Und, bitte an dieser Stelle kurz niederknien, Archon. Archon! Diese berückende Mischung aus 2D-Ballerei und Pseudoschach war so um 1984/1985 mein absolutes Lieblingsspiel. Dafür würde ich, sagen wir, 800 Microsoft-Punkte hinblätternklicken. Ohne mit der Wimper zu zucken. Eine DS- (oder notfalls Flash-)Umsetzung täte ich auch nehmen. Hätte überhaupt vor Jahren, ehe das mit Live Arcade, Virtual Console und dem ganzen Handy-Schmodder los ging, die Rechte für die alten Marken kaufen sollen, hätte da sicher ein paar Euro mit verdienen können. Wieder nichts mit der ersten Million, dabei sagen alle Experten, dass man die bis 40 verdient haben sollte. Mist.

Für Retro-Klingelton-Junkies: ein Midi-Sample des Startsounds von Archon.

Für die Nachgeborenen zum Nachlesen: Mail Order Monsters Paradroid Archon